Machu Picchu streikt

Machu Picchu (c) by Joerg Neidig. All rights reserved

Es gab hier schon länger keinen Eintrag mehr, aber zum Highlight diese Reise wollte ich dann dich auf jeden Fall etwas schreiben. Die Reise ist anstrengender als ich gedacht habe. Wir stehen jeden Morgen super früh auf. Gestern zum Beispiel bereits um 04:30 Uhr früh. Die Belastung durch die Höhenmeter (aktuell ca. 3800m) kommt noch dazu. Daher falle ich aktuell jeden Abend vollkommen platt ins Bett.

Das absolute Highlight diese Reise sollte der Besuch des Weltkulturerbes machu picchu werden. Als unsere Reiseleiterin vor 2 Tagen angekündigte, dass ein Generalstreik dies eventuell verhindern könnte, trat in unserer Reisegruppe leichte Panik ein. Zum Glück handelt in die Streik-Parteien eine 10-tägige Stillhaltefrist aus, die genau zu unserem Reiseplan passte. Eintrittskarten für Machu Picchu müssen nämlich lang im Voraus gekauft werden, sind an einen festen Tag gebunden und nicht umtauschbar. Was mit dem restlichen Reiseprogramm passiert, werden wir in den nächsten Tagen noch rausfinden.

Machu Picchu selbst ist so großartig wie alle sagen. Die Inkastätte ist zu 70% erhalten und in einer Landschaft gelegen, die spektakulärer kaum sein könnte. Natürlich ist die Stätte vollkommen überlaufen und geprägt von langen Menschenschlangen. Am Ende hat dies aber weniger gestört als ursprünglich befürchtet. Ab der ersten Minute ziehen einen die Ruinen in den Bann und man muss sich immer wieder vor Augen halten wie hier gelebt, gearbeitet und gefeiert wurde.

Man kann sich hier bestimmt ewig aufhalten und immer wieder etwas Neues entdecken, nach gut 4 Stunden hatte ich dann aber doch genug gesehen. Zum einen weil es unsagbar heiß und schwül war und zum anderen weil ich pinkeln musste und es innerhalb von Machu Picchu keine Toiletten gibt.

Landebahnen für Außerirdische

Die letzten Tage waren ziemlich angefüllt von reiner Reisetätigkeit, um weiter in den Süden zu kommen und langsam an Höhenmetern zu gewinnen. Heute besuchen wir die wohl schönste Stadt Perus Arequipa, gelegen auf ca. 2800m 2400m.

Unterwegs konnten wir noch einen Blick auf die legendären Nazca-Linien werfen. Es werden zwar spezielle Rundflüge dafür angeboten, aber bereits von den dort aufgestellten Aussichtstürmen kann man due Figuren gut erkennen. Interessanterweise sind die Linien hauptsächlich im deutschsprachigen Raum bekannt, den italienischen, englischen, spanischen Touristen ist das in der Regel ganz neu. Wenn man die Linien so sieht, kann man durchaus nachvollziehen, dass immer wieder Außerirdische ins Spiel gebracht werden.

Das El Dorado für Archäologieinteressierte

War der Besuch des peruanischen Nordens also die Zeit wert? Immerhin haben wir dort 4 Tage verbracht, was kaum eine andere Tour macht. Die kurze Antwort ist ja und nein, die Wahrheit ist komplizierter. Nicht jedes Museum und jede Grabstädte ist sehenswert, aber alleine schon für den Besuch des Museums zum Herrn von Sipan hat sich die Reise gelohnt.
Hier hat sich uns eine eindrucksvolle Kultur dargestellt, deren Kunstfertigkeit und Umfang uns alle unvorbereitet getroffen hat. Hier sind in den letzten Jahren Schätze und Erkenntnisse aufgedeckt worden, welche sich nicht hinter den altägyptischen verstecken müssen. Und dabei haben die hier gerade erst angefangen richtig zu graben. Da wartet also noch so einiges unter dem Sand. Auch inmitten der Lehmziegelstadt Chan Chan oder dem Mondpalast zu stehen war sehr beeindruckend. Die restlichen Museen und Ausgrabungsorte haben uns dann nicht mehr vom Hocker gehauen. Es wiederholt sich dann doch alles und irgendwann will man wirklich keine Tongefäße oder sonstige Grabbeilagen mehr sehen. Der Besuch des Nordens hat sich als Museumsmarathon entpuppt. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen.

Vielleicht haben wir aber gerade durch die ständige Wiederholung ein besseres Verständnis dieser Kulturen erworben. Mein Eindruck ist allerdings nicht so positiv. Aus heutigem Verständnis betrachtet, bestanden die hiesigen alten Kulturen aus blutrünstigen, machtbesessenen Schweinen. Hier wurden Massen an Menschen hingerichtet und geopfert. Männer, Frauen, Kinder, Feinde oder regierende Oberschicht, keiner war sicher. Wer wichtig war, hatte sowieso mehrere geopferte Personen im Grab mitliegen, 1-2 Kinder waren selbstverständlich. Je gutaussehender und kräftiger die Menschen waren, desto würdigere Opfer haben sie abgegeben. Es wurden sogar Bauten gefunden bei denen an jedem Stützpfeiler ein Mensch lebendig begraben wurde, vermutlich um die Langlebigkeit des Gebäudes zu garantieren. Vor lauter Hinrichten haben sie dann vergessen, essentielle Dinge wie Schrift oder das Rad zu entdecken. Und wer denkt, dass dies alles nur Auswüchse eines perversen Patriachats seien, dem sei gesagt, dass die Funde beweisen, dass auch Frauen als Priesterinnen eine zentrale Rolle beim Morden und Opfern eingenommen haben.

Südwärts

Heute stand noch der angebliche archäologischer Geheimtipp der Tempelstadt mit 26 Pyramiden in Tucumé an sowie der Herr von Sican und ein Marktspaziergang. Damit ist unser Schlenker in den Norden Perus abgeschlossen, denn ab jetzt geht es in die südlicher gelegenen Berge.

Waren die Programmpunkte den Preis und die Zeit wert? Immerhin haben wir dort 4 Tage verbracht und die wenigsten Touren durch Peru besuchen die Orte im Norden. Die kurze Antwort ist ja und nein, die ausführliche Antwort gibt’s morgen.

Hochkulturen satt

Das Programm ist weiterhin gut gefüllt, Langeweile kommt nicht auf. Ganz im Gegenteil: Abends fallen wir spätestens um 10 Uhr völlig platt ins Bett, während die neuen Eindrücke einem noch im Kopf herumschwirren. Die wichtigsten Punkte der letzten beiden Tage: Am Freitag Stadtmuseum von Trujillo, Mondpyramide, die Sandstadt Chan Chan, ein Sozialprojekt “Musikschule”, am Samstag Dame von Cao und Herr von Sipan.

Unser lokaler Guide ist ein lustiger Kerl mit umfangreichen Wissen, der so manches Mal unsere Vorstellungen auf den Kopf stellt, z.B. “Die Inkas waren nicht so nett wie viele glauben und die Spanier waren nicht so böse wie viele glauben. Wie konnten 150 Spanier ein ganzes Land einnehmen? Weil die Bevölkerung so sauer auf die Inkas waren, dass sie die neuen Eroberer unterstützt haben.”

Das Essen in Peru ist wirklich fantastisch. Peru gilt als die Königin der südamerikanischen Küche, was bisher auch zu stimmen scheint. Wir sind dabei nicht in irgendwelchen Sternerestaurants unterwegs, sondern häufig in eher urigen, abgelegenen und einfachen Einrichtungen. Gerade der frische Fisch und die Meeresfrüchte haben es mir angetan. Das Nationalgetränk Pisco sour fließt auch in rauen Mengen.

Ton, Steine, Scherben

Am 10.11. ging es weiterhin um Kultur und Geschichte von Lima und Peru im Allgemeinen. Früh morgens quälten wir uns im Schneckentempo durch den höllischen Verkehr zur Plaza de Armas in der Altstadt von Lima. Die Besichtigung des Platzes und der dortigen Kathedrale war sehr beeindruckend und hat das gespaltene Verhältnis der Peruaner zu den spanischen Eroberern gut vermittelt. Vor wenigen Jahren erst wurde bei Grabungen der Kopf Francisco Pizarros in einer schwarzen Kiste gefunden. Die Kiste war ausgestellt, der Kopf nicht.

Es ist deutlich erkennbar, dass die Inkas das iPad erfunden haben.
Es ist deutlich erkennbar, dass die Inkas das iPad erfunden haben.

Nach Programm ging es danach zum National-museum, um uns in die Geheimnisse der peruanischen Hochkulturen einzuweihen. Leider besteht die Hochkultur fast ausschließlich aus Tongefäßen und Grabbeilagen, was ich eher so mittelinteressant finde. Das Museum hat den Stoff gut aufbereitet, dennoch treten erste Sättigungserscheinungen bezüglich Tongefäßen auf. Ich gehe aber davon aus, dass auf der Reise noch der ein oder andere Topf zu sehen sein wird.
Abends flogen wir dann von Lima nach Trujillo wo die erste archäologische Stätte auf uns wartet. Ich bin gespannt.

Auf der Suche nach Liebe

Je nach Urlaub dauert es unterschiedlich lang bis man wirklich im Urlaub angekommen ist, der Alltag von einem abgefallen ist und man sich komplett dem Hier und Jetzt widmen kann. Bei diesem Urlaub hat es bis zum zweiten Tag mittags gedauert. Aber eins nach dem anderen.
Die Anreise verlief unspektakulär und problemlos. Mit dem Flieger in zwei Stunden nach Madrid, 2 Stunden Aufenthalt und dann 12 Stunden Flug nach Lima. Das Flugzeug war zwar ein wenig altersschwach (Sitz defekt, Entertainment defekt, Leselicht defekt, …), hat uns aber sicher ans Ziel gebracht. Ankunft war um 7:00 Uhr früh und zwei Stunden später waren wir im Hotel, haben die Koffer in die Ecke geschmissen, eine heiße Dusche genossen und erst einmal kräftig gefrühstückt.

Platz der Liebe in Lima
Platz der Liebe in Lima

Lang Ausruhen gab es aber nicht, denn um 11:00 ging es auf zu einem Rundgang durch das Stadtviertel. Erstes Highlight des Rundgangs war der “Platz der Liebe”, welcher sich durch ein riesiges Kunstwerk von zwei Liebenden dominiert wurde. Zweites Highlight war das Shopping- und Barviertel Miraflores, welches einen wunderschönen Blick auf den Strand und den Pazifik boten. Und genau hier an einer Bar als der Blick so in die Ferne schweifte mit einem Glas Saft einer unaussprechbaren Frucht in der Hand, da hat es sich plötzlich wie Urlaub angefühlt.

Ancient erotic art in Lima.
Ancient erotic art in Lima.

Danach ging es in das archäologe Museums Larco, wo uns die Historie Limas und Perus veranschaulicht wurde. Nicht weniger interessant war die Ausstellung historischer erotischer Keramiken. Offensichtlich war man damals wenig zimperlich unterwegs. Der lange Tag endete mit einem verdienten Cocktail.

Nächster Halt: Peru

Die Reiseroute durch Peru. (c) Studiosus Reisen München GmbH
Die Reiseroute durch Peru. (c) Studiosus Reisen München GmbH

In Kürze geht es auf nach Peru.

Das ursprüngliche Reiseziel war eigentlich Äthiopien, um nach der Tansania-Reise nochmal ganz andere Eindrücke von Afrika zu bekommen. Da sich die politische Lage sich aber mehr und mehr angespannt hat, musste umdisponiert werden. Jetzt geht es also nach Südamerika. So richtig gut bin ich nicht auf die Reise vorbereitet und ich verlasse mich schon ziemlich darauf, dass das Studiosus das alles gut hinbekommt. Den Rest sehen wir dann.

Richtfest

Richtfest. Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved.
Richtfest. Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved.

Am Donnerstag war Richtfest meiner Wohnung. Und der Wohnung der anderen Eigentümer, aber hauptsächlich meiner Wohnung. 😉

Relativ unspektakulär, aber es gab immerhin Essen und Trinken für lau. Außerdem habe ich jetzt schon einmal in meinem Wohnzimmer gestanden. Hm, sah auf dem Grundriss irgendwie größer aus. Naja, so oder so bin ich jetzt mal gespannt darauf, wie lange es noch dauert bis es einzugsfertig ist. Mir wurde ja gesagt Ende Frühjahr, aber einige der anderen Eigentümer meinten, deutlich früher sei drin, wenn der Bau weiterhin so schnell fortschreiten würde.

Krankenhaus, juchee!!

Gestern wollte ich nach der Arbeit nur kurz zum Arzt gehen und mir wegen einer hartnäckigen Entzündung eine Salbe oder sowas verschreiben lassen. Der Arzt schaute sich das kurz an, wurde etwas aufgeregt und kurz darauf sitze ich in der Notaufnahme des Klinikums Nord und bekomme hochdosierte Antibiotika intravenös. Ich sitze nervös auf dem Stuhl und muss mir vom Arzt anhören, dass sowas tödlich ausgehen kann. Ich fühl mich gerade wie im schlechten Film. Ich muss wohl für eine Woche stationär drinbleiben bei mehrmaliger Verabreichung der Antibiotika.

Eigentlich wollte ich nur ne Salbe.

Auf der Suche nach dem Usambara-Veilchen

21.2. – 22.2.2016

Die nächste Station des Urlaubs waren die Usambaraberge und je näher wir unserem Ziel kamen, desto angenehmer wurde des Klima. Wir entflohen der Hitze, der Schwüle und dem Trubel von Städten und begaben uns in eine grüne, ländliche Gegend, die Kornkammer von Tansania. Nicht nur die Gegend wurde immer ländlicher, sondern auch die Straßen wurden immer abenteuerlicher. Wir fuhren durch Feldwege und Gassen, die nur marginal breiter waren als unser Fahrzeug und als wir dachten, dass es wirklich nicht mehr weiter ging, kamen wir am Hotel an. Die Lage des Hotels konnte damit nicht besser sein und bot fantastische Ausblicke. Das Hotel selbst war aber weniger gut. Auch hier hatte Studiosus bereits vorgewarnt und diesmal waren die Warnungen auch angebracht. Die Zimmer waren ungemütlich, nicht gerade sauber, hatten teilweise defekte Lampen und Möbel, verstopfte Abflüsse und so weiter. Die Zimmer waren so trostlos, dass wir diese wirklich nur zum Schlafen betreten wollten und die freie Zeit in der Hotellobby verbrachten.

Nichtsdestotrotz waren die zwei Tage in den Usambarabergen wunderschön, wobei ich gar nicht explizit fassen kann, was uns hier so fasziniert hat. Irgendwie war es wohl das Gesamtpaket aus einer grünen, sprießenden Natur, dem frischen angenehmen Wetter, dass einen wirklich Aufatmen ließ, die freundliche Atmosphäre und dem entspannten Tagesprogramm. Nach den anstrengenden Tagen zuvor hatte ich das Gefühl mich richtig fallen lassen zu können. Das Ganze aber ohne dass es explizite “Erholungstage” waren, denn die Tage waren angefüllt mit Programmpunkten und weiteren Begegnungen.

Wir machten geführte Wanderungen durch die Berge und das nahe gelegene Dorf, wir bummelten über den quirligen Markt von Lushoto, besuchten ein Waisenheim und machten eine Probe des tansanischen Weins. Die Wanderungen waren sicherlich ein Highlight aber insbesondere zu dem Waisenheim und dem Wein will ich noch ein paar Worte sagen. Im Vorfeld der Reise sowie an jedem Ort an dem wir fragten wurde uns von dem hiesigen Wein abgeraten. So vehement wurde betont, dass er untrinkbar sei, dass sich bei uns so etwas wie eine mystische Stimmung einstellte. Wer weiß, vielleicht gab es den Wein gar nicht (so wie es Bielefeld gar nicht gibt). Schließlich gelang es uns auf Maries Geburtstag und bei der Weinprobe tatsächlich Exemplare zweier tansanischer Meisterwerke zu probieren. Zugegeben, sie waren wirklich nicht gut.

Der Besuch des Waisenhauses war anfangs ähnlich seltsam wie der Besuch der Krankenstation. Da kommen jetzt ein Haufen Weißer daher und machen Fotos von süßen schwarzen Babys. Und weil mir so unwohl bei der Sache war, versuchte ich der Leiterin des Waisenhaus ein Gespräch zu entlocken, um mich über Hintergründe interessiert zu zeigen. aber die Leiterin war ein harter Brocken und meinte nur: “Now show and taking pictures, talk later.” Damit war die Sache dann klar geregelt. Die Leiterin sorgte erst für ein Fotomotiv nach dem anderen und zeigte uns dabei auch die verschiedenen neuen Einrichtungen des Hauses, danach gab bei Kaffee und Keksen die Hintergründe. Die Hintergründe waren beeindruckend und bedrückend zugleich. Beeindruckend waren die Leistungen der Einrichtung, die hier aus dem Nichts gestampft wurden und wie alles unternommen wird, um Schritt für Schritt unabhängig von Spendengeldern zu werden. Und bedrückend war es, weil sie dennoch erschreckend hilflos sind. (So zumindest war mein Empfinden.) Die Station versteht sich “nur” als eine Erstauffangsstation, die ausgesetzten Säuglingen ein Überleben sichert. Allerspätestens zwei Jahren muss das Kleinkind aber die Station verlassen und in Pflegefamilien übergeben werden, da sonst die Kapazitäten nicht ausreichen würden.

Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved
Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved

Insgesamt muss man sagen: “Alle Achtung, Studiosus, das mit den ‘Begegnungen mit Land und Leute’ nehmt ihr wirklich ernst”. Ich weiß gar nicht wie ich als selbstorganisierende Privatperson an solche Begegnungen und Gespräche gekommen wäre. Klar, irgendwie ist immer alles möglich. Aber die hautnahe Begegnung mit den Massai, die Besuche von Krankenhaus und Waisenhaus und selbst das Bummeln über Märkte und Dörfer, wäre bei weitem anders verlaufen, wenn nicht immer ein erfahrener Guide dabei gewesen wäre, der die aktuelle Situation gut einschätzen konnte. Mehrfach haben wir mitbekommen (und häufig genug vermutlich auch nicht), wie Sonja eine an sich ungemütliche Situation mit Anwohnern, Polizei oder Zollbeamten durch die richtige Portion Charme, Witz und “Beruhigungsgeld” entschärfte. Alleine wäre ich sicherlich mehrfach bestohlen, abgezockt, bedroht worden oder hätte einfach mehr als die Hälfte des Urlaubs mit Organisieren und Improvisieren verbracht.

 

 

Auf der Fahrt gen Osten

20.2. – 21.2.2016

Weiterhin standen die Tage nun unter dem Motto “Begegnungen mit Land und Leute”. Objektiv gesehen standen die Tage manchmal eher unter dem Motto “Kilometer reißen auf den Straßen zur Ostküste”. Ein Zwischenstopp zur Übernachtung legten wir auf einer Kaffeeplantage ein. Die Führung rund um die Plantage war eher so mittel-interessant. Nur der Guide – der stellvertretende Anführer des Stammes &#*!@§ (unaussprechlicher Kehllaut) – war wirklich ein Unikat. Im Endeffekt hat er wenig über die Plantage und die Pflanzen erzählt, sondern eine Anekdote nach der anderen über die Kultur seines Stammes losgelassen. Das war wirklich eine gelungene Mischung aus Unterhaltung und Information! Nachdem uns der Guide z.B. erklärt hatte, dass die hiesige respektvolle Anrede von Frauen “Mama” sei, war das fortan die Anrede für einige unserer Mitreisenden. Das Essen auf der Plantage war fantastisch, das Zimmer traumhaft, der Kaffee leider eher so lala. Schade, wenn er gut gewesen wäre, wäre das sicherlich ein schönes Mitbringsel geworden.

 

Zimmer auf einer Kaffeeplantage. (c) Jörg Neidig. All rights reserved.
Zimmer auf einer Kaffeeplantage. (c) Jörg Neidig. All rights reserved.

Danach ging es weiter Richtung Osten zum Fuße des Kilimandscharo in ein Bergsteigerhotel. In den Unterlagen von Studiosus wurden wir schon vorgewarnt, dass das Hotel sehr einfach sein und nicht den Ansprüchen eines westlichen Urlaubers entsprechen würde. Aber eigentlich gab es dort überhaupt nichts auszusetzen. Insbesondere die Lage war toll und erlaubte morgens bei Sonnenaufgang einen unverstellten Blick auf den Gipfel des Kilimandscharo. Um noch näher mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen, hatten wir die Chance eine Wanderung durch das nahegelegene Dorf und einem pittoreskem Wasserfall zu machen. Zwar sind wir auf der Wanderung auch in ein kleines Naturhistorisches Museum gegangen, interessanter waren aber die eher zufälligen (?) Begegnungen. So zum Beispiel saß eine Frau vor Ihrer Hütte beim Kochen eine Eintopfs und sie erklärte uns freudig, was und wie sie koche. Einige jungen Leute ließen uns bereitwillig von ihrem selbstgebrautem Bananenbier probieren. Zum Dank steckte ihnen unsere Guide Sonja einen kleinen Schein zu. Als wir um die Ecke gingen und noch deren Jubelschrei hörten, meinte Sonja nur: “Uups, war wohl etwas zu viel.”

Abends feierten wir noch feuchtfröhlich den Geburtstag von Sonja und Marie. Als es uns in der Bar zu ungemütlich wurde, verlagerten wir die Feier in einem privateren Kreis (zu dritt) auf Maries Balkon. Das war echt ein schön entspannter Abend und auch im nachhinein kann ich nur betonen wie gut und wichtig es war auf der Gruppenfahrt Mitreisende gefunden zu haben, die auf der selben Wellenlänge lagen. Spät am Abend beschloss ich dann irgendwann doch noch mein eigenes Zimmer aufzusuchen, aber ich fand es nicht. Ordentlich angeheitert lief ich mehrmals durch das verwinkelte Hotel. Ich lief alle Gänge und Etagen ab aber ich fand mein Zimmer nicht. Irgendwann beschloss ich (immer noch sehr angeheitert) systematisch vorzugehen und alle Schritte von der Rezeption zum Zimmer zu wiederholen. Das funktionierte aber nicht, da ich immer wieder an verschlossenen Türen oder Gangenden landete. Irgendwann begann ich an mir zu verzweifeln und suchte die Nachtwache auf. Diese war wohl auch neu, denn sie wanderte mit mir auch nochmal alle Gänge und Ebenen ab und griff sich verwundert an den Kopf. Schlussendlich weckte die Wache den Portier auf, der dann das Rätsel auflöste: Abends wurde der gesamte Hotelflügel, in dem mein Zimmer lag, abgeschlossen. Seltsam.

Ebenfalls Teil der Begegnungen war ein Besuch eines Dorfkrankenhauses (Rhotia Health Center).

Schwester Agatha leitet das Rhotia Health Center in Tansania. Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved.
Schwester Agatha leitet das Rhotia Health Center in Tansania. Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved.

Das Krankenhaus wurde in den sechziger Jahren (oder etwas später – hab ich nicht richtig verstanden) von Schweizer Ordensschwestern gegründet. Die Leitung des Krankenhauses obliegt noch immer einer der Schwestern, der mittlerweile über achtzig Jahre alten Schwester Agatha. Am Anfang kam es mir etwas merkwürdig vor, als Tourist mit der teuren Spiegelreflex vor der Brust und Safarikleidung von Jack Wolfskin am Leib durch die Räume zu tapern und Fotos von erbärmlichen Krankenzimmern zu machen. Aber Schwester Agatha war so herzlich und hat so offen und begeistert über das Erreichte, die Pläne für die Zukunft und Probleme geredet, dass sämtliche Berührungsängste verflogen. Kein Thema war tabu und es war schon erstaunlich zu hören, wie offen und gelassen die Schwester über Korruption bei Steuergeldern, Diebstahl von Laborgeräten und den Auswirkungen von Krankheiten wie AIDS und Malaria plauderte.

Massai und was nun

19.2.2016

Nach dem Themenschwerpunkt Tiere und Natur geht es um Begegnungen mit Land und Leute. Etwas Besonderes ist gleich unsere erste Begegnung: Der Besuch eines Massai-Dorfes. Es handelte sich dabei um kein Schaudorf, sondern ein echtes Dorf in dem die Krieger der Savanne tatsächlich leben. Gegen einen kleinen Obolus führten sie noch einen Tanz auf und beantworten Fragen. Laut deren Aussage können sie es sich durch das Geld leisten Wasser mit dem Tanklaster anliefern zu lassen.

Disclaimer: Ein kurzer Besuch und ein paar Gespräche geben keinen tiefen Einblick in die Kultur. Ich sehe und bewerte als Außenstehender nach anderen, rein subjektiven Maßstäben, geprägt durch meinen kulturellen Hintergrund.

Kurzfassung: Die Massai sind Dreckschweine, deren Kultur verschwinden und die niemand vermissen wird.

Langfassung: Die Begegnung war toll, weil es eben das echte Ding war und kein Kasperletheater für Touristen. Das Dorf hatte sich eben entschieden, diese Geldquelle anzuzapfen, aber ohne sich für die Touristen zu verbiegen. Die Begrüßung durch Tanz und Gesang war ganz witzig und war gut für Fotos. Ich durfte sogar mit den Kriegern um die Wette hüpfen. (Die Mitreisenden meinten ich hätte mich ganz gut geschlagen.)
Interessanter war aber die Möglichkeit Fragen zu stellen. Hier haben sich leider alle negativen Vorurteile bestätigt und bekräftigt. Frauen sind weniger Wert als Dreck. Sie werden natürlich beschnitten. Danach sind sie Allgemeingut für jeden dahergeschissenen Krieger. Feste Frauen haben nur die Dorfältesten oder der Chef. Der Chef in diesem Dorf hatte gleich 12 Frauen und 72 Kinder, womit praktisch alle Einwohner direkt miteinander verwandt waren. Kinder werden ab dem 4. Lebensjahr von der Mutter getrennt (der Vater ist eh meist unbekannt) und wachsen ab dann bis ca. 14 sich selbst überlassen in einer Kinderhütte auf. Erst ab der darauffolgenden Beschneidung werden sie als vollwertige Menschen angesehen, davor sind sie wertlose Lebewesen. Bei den Behausungen hat es uns die Sprache verschlagen: Ein paar Stöcke notdürftig zusammengebunden und mit Kuhscheiße bedeckt. Drinnen brannte ein Feuer, aber einen Rauchabzug gab es nicht. Die Massai hatten daher ausnahmslos blutunterlaufenen entzündete Augen. Ernährungstechnisch gibt es ausschließlich Milch, Rinderblut und Rindfleisch. Diese 3 Dinge jeden Tag und sonst überhaupt gar nichts. Und so könnte ich ewig weiter erzählen.

Leider scheinen sie unfähig zu sein, sich anzupassen und sich auf neue Bedingungen einzustellen. Stattdessen hängen sie in nicht reflektierter Tradition fest. Für Touristen (inklusive meiner selbst)ist es natürlich schön, beeindruckende Urlaubsfotos von ach so zurückgebliebenen Naturvölkern machen zu können. Naturgeschichtlich gesehen, sind es aber eher die Anpassungsfähigsten gewesen, die eine Zukunft hatten.

Leben und sterben lassen im Ngorongoro- Krater

Spitzmaulnashorn im Ngorogoro-Krater. (c) Jörg Neidig. All rights reserved.
Spitzmaulnashorn im Ngorongoro-Krater. (c) Jörg Neidig. All rights reserved.

19.2.16
Unser dritter und letzter Park war der Ngorongoro-Krater, ein erloschener Vulkan in dessen Kraterinnerem eine ganz besondere Tierwelt entstanden ist. Durch die natürliche Abschottung hat sich hier ein unvergleichliches Ökosystem gebildet und man kann hier sehr viele Tiere auf engstem Raum beobachten.
In der Nacht hatte es wolkenbruchartig geregnet und am Morgen regnete es weiter. Außerdem war so riesig, dass an Weitsicht nicht zu denken war. Der Tag stand unter keinem guten Stern. Zum Glück lichtete sich der Nebel langsam und der Regen ließ nach.

Wie in den letzten Tagen war dennoch auch hier jede einzelne Minute ein tolles Erlebnis. (Bis auf die halbe Stunde in der ich vor Pinkeldrang kaum aus den Augen schauen konnte.) Aber zwei Highlights stachen wirklich hervor.

Es gibt in Tansania nur noch 30 Nashörner und diese wurden aus Südafrika importiert, um sie im Krater neu anzusiedeln. Alle anderen sind den verfickten Wilderern zum Opfer gefallen. Vor kurzem wurde eine der größten Anführer eines Wildererrings gefasst. Es war eine Angestellte der chinesischen Botschaft.
Aber kaum hatten wir den Krater betreten sahen wir eine kleine Ansammlung von Fahrzeugen sowie einen Wagen der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft. Den Grund dafür sahen wir gleich: Am Straßenrand schlief ein Nashorn.
Wie viel Glück kann ein Mensch haben? So langsam mussten wir ja das Maximum erreicht haben. Als das Nashorn genug geschlafen hatte, stand es langsam auf und fing das Fressen an. Dabei präsentierte es sich uns in voller Schönheit im Profil. Einige Minuten später fing es aber an sich langsam von der Straße zu entfernen und ins Hinterland zu laufen. Die Touristen, die etwas später an diese Stelle kamen konnten nur noch einen entfernten Punkt am Horizont erahnen.
Übrigens hatten wir damit auf einer einzigen Safari die Big Five gesichtet.

Wie nahe Leben und Tod hier zusammenliegen konnten wir hautnah erleben. Zwei Wagen unserer Gruppe wurden aus nächster Nähe Zeuge wie eine Hyäne ein junges Gnu riss. Unser Wagen hingegen war bei der Geburt eines Kalbs dabei. (Was gruseliger zu sehen war, kann ich nicht beurteilen.) Unser Fahrer erkannte, dass bei einer Kuh die Wehen eingesetzt hatten. Kurz darauf ging es auch schon los. In mehreren Schüben – zwischen denen sie immer wieder die Position wechselte und herumlief – brachte sie komplikationslos ein Kalb zur Welt. Mit sachten Schubsern mit der Schnauze bewegte die Mutter die Mutter das kleine zum Aufstehen. Etwas wackelig schaffte es das wirklich innerhalb von 5 Minuten.

Serengeti pur III

18.2.2016

Unser zweiter Tag in der Serengeti war auch gleichzeitig unser Abreisetag, aber bis zum Mittagessen wollten wir noch so viel Zeit wie möglich mit Tierbeobachtungen verbringen. Da wir aus unserem Erlebnis bei der Ankunft wussten wohin die Migration unterwegs ist, versuchten wir heute diese enorme Herde wieder zu finden.

Mehrmals auf dem Weg sprangen wir auf, weil wir riesige Gnu-Herden sahen, aber unser Fahrer drängte uns weiter zu fahren, weil angeblich noch viel mehr Tiere zu erwarten seien. Einmal bremste er jedoch scharf und setzte den Wagen ein paar Meter zurück. Er hatte auf der Straße einen Pillendreher entdeckt. Der kleine Käfer rollte den Misthaufen, der um ein vielfaches größer war als er selbst, munter die Straße hinab.

Bereit zur Abfahrt. (c) Jörg Neidig. All rights reserved.
Bereit zur Abfahrt. (c) Jörg Neidig. All rights reserved.

 

Nach einem Salzsee voll mit Flamingos, Graslandschaften mit Störchen uvm. fanden wir die Migration in der Pufferzone der Serengeti. Und der Zug war noch größer als wir uns erträumt hatten. Da wir in der Pufferzone abseits der Wege fahren durften, schlug unser Fahrer nun eine Route querfeldein ein und raste durch die Tiermassen. Es war unglaublich. Egal wohin man schaute, die Savanne wahr voll mit Gnus, Zebras, Gazellen und natürlich deren Fressfeinden.

Als unser Fahrer iam Himmel plötzlich Geier kreisen sah, gab er richtig Gas und fuhr mit einem Affenzahn auf die Stelle zu. “There has been a kill”, rief er. Und unser wahnsinniges Glück hielt weiter an, da wir unweit der Stelle plötzlich auf einen Geparden stießen. Nur wenige Meter von unserem Wagen streifte der Jäger umher und begab sich freiwillig in die besten Fotoposen. Immer wenn er sich etwas weiter vom Wagen entfernte, überholte ihn unser Fahrer wieder und wir konnten wieder weiter beobachten. Irgendwann wurde es dem Geparden aber zu dumm und er setzte sich in eine Stelle mit höherem Gras. Er schaute noch kurz umher, legte sich dann hun und weg war er. Er war absolut nicht mehr zu sehen – wie unsichtbar.

Daraufhin fuhren wir weiter Richtung”kill” und begegneten mehren Gruppen von Hyänen. Vermutlich hatte der Gepard ein Jungtier erlegt, wurde aber von einem Rudel Hyänen verjagt und jetzt gab es nur noch Reste für die Geier. Wir waren nicht nur nah an der Natur dran, sondern mittendrin. Nach einem Picknick inmitten der Pufferzone machten wir uns noch vollkommen benommen von den fantastischen Bildern auf zu unserem nächsten Ziel, und wir waren uns einig: diese Eindrücke waren nicht mehr zu toppen. Dachten wir.