{"id":1052,"date":"2016-03-21T23:41:22","date_gmt":"2016-03-21T21:41:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.joerg-neidig.de\/wordpress\/?p=1052"},"modified":"2016-03-22T00:05:43","modified_gmt":"2016-03-21T22:05:43","slug":"auf-der-suche-nach-dem-usambara-veilchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.joerg-neidig.de\/wordpress\/?p=1052","title":{"rendered":"Auf der Suche nach dem Usambara-Veilchen"},"content":{"rendered":"<p>21.2. &#8211; 22.2.2016<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Station des Urlaubs waren die Usambaraberge und je n\u00e4her wir unserem Ziel kamen, desto angenehmer wurde des Klima. Wir entflohen der Hitze, der Schw\u00fcle und\u00a0dem Trubel von St\u00e4dten und begaben uns in eine gr\u00fcne, l\u00e4ndliche Gegend,\u00a0die Kornkammer von Tansania. Nicht nur die Gegend wurde immer l\u00e4ndlicher, sondern auch die Stra\u00dfen wurden immer abenteuerlicher. Wir fuhren durch Feldwege und Gassen, die nur marginal breiter waren als unser Fahrzeug und als wir dachten, dass es wirklich nicht mehr weiter ging, kamen wir am Hotel an. Die Lage des Hotels konnte damit nicht besser sein und bot fantastische Ausblicke. Das Hotel selbst war aber weniger gut. Auch hier hatte Studiosus bereits vorgewarnt und diesmal waren die Warnungen auch angebracht. Die Zimmer waren ungem\u00fctlich, nicht gerade sauber, hatten teilweise defekte Lampen und M\u00f6bel, verstopfte Abfl\u00fcsse und so weiter. Die Zimmer waren so trostlos, dass wir diese wirklich nur zum Schlafen betreten wollten und die\u00a0freie Zeit in der Hotellobby verbrachten.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz waren die zwei Tage in den Usambarabergen wundersch\u00f6n, wobei ich gar nicht explizit fassen kann, was uns hier so fasziniert hat. Irgendwie war es wohl das Gesamtpaket aus einer gr\u00fcnen, sprie\u00dfenden Natur, dem frischen angenehmen Wetter, dass einen wirklich Aufatmen lie\u00df, die freundliche Atmosph\u00e4re und dem entspannten Tagesprogramm. Nach den anstrengenden Tagen zuvor hatte ich das Gef\u00fchl mich\u00a0richtig\u00a0fallen lassen zu k\u00f6nnen. Das Ganze aber ohne dass es explizite &#8222;Erholungstage&#8220; waren, denn die Tage waren angef\u00fcllt mit Programmpunkten und weiteren Begegnungen.<\/p>\n<p>Wir machten gef\u00fchrte Wanderungen durch die Berge und das nahe gelegene Dorf, wir bummelten \u00fcber den quirligen Markt von Lushoto, besuchten ein Waisenheim und machten eine Probe des tansanischen Weins. Die Wanderungen waren sicherlich ein Highlight aber insbesondere zu dem Waisenheim und dem Wein will ich noch ein paar Worte sagen. Im Vorfeld der Reise sowie an jedem Ort an dem wir fragten wurde uns von dem hiesigen Wein abgeraten. So vehement wurde betont, dass er untrinkbar sei, dass sich bei uns so etwas wie eine mystische Stimmung einstellte. Wer wei\u00df, vielleicht gab es den Wein gar nicht (so wie es Bielefeld gar nicht gibt). Schlie\u00dflich gelang es uns auf Maries Geburtstag und bei der Weinprobe tats\u00e4chlich Exemplare\u00a0zweier tansanischer Meisterwerke zu probieren. Zugegeben, sie waren wirklich nicht gut.<\/p>\n<p>Der Besuch des Waisenhauses war anfangs \u00e4hnlich seltsam wie der Besuch der Krankenstation. Da kommen jetzt ein Haufen Wei\u00dfer daher und machen Fotos von s\u00fc\u00dfen schwarzen Babys. Und weil mir so unwohl bei der\u00a0Sache war, versuchte ich der Leiterin des Waisenhaus\u00a0ein Gespr\u00e4ch zu entlocken, um mich \u00fcber Hintergr\u00fcnde\u00a0interessiert zu zeigen. aber die Leiterin war ein harter Brocken und meinte nur: &#8222;Now show and taking pictures, talk later.&#8220; Damit war die Sache dann klar geregelt. Die Leiterin sorgte erst f\u00fcr ein Fotomotiv nach dem anderen und zeigte uns dabei auch die verschiedenen neuen Einrichtungen des Hauses, danach gab\u00a0bei Kaffee und Keksen die Hintergr\u00fcnde. Die Hintergr\u00fcnde\u00a0waren beeindruckend und bedr\u00fcckend zugleich. Beeindruckend waren die Leistungen der Einrichtung, die hier aus dem Nichts gestampft wurden und wie\u00a0alles unternommen wird, um Schritt f\u00fcr Schritt unabh\u00e4ngig von Spendengeldern zu werden. Und bedr\u00fcckend war es, weil sie dennoch erschreckend hilflos sind. (So zumindest war mein Empfinden.) Die Station versteht sich &#8222;nur&#8220; als eine Erstauffangsstation, die ausgesetzten S\u00e4uglingen ein \u00dcberleben sichert. Allersp\u00e4testens zwei Jahren muss das Kleinkind aber die Station verlassen und in Pflegefamilien \u00fcbergeben werden, da sonst die Kapazit\u00e4ten nicht ausreichen w\u00fcrden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1056\" aria-describedby=\"caption-attachment-1056\" style=\"width: 474px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.joerg-neidig.de\/wordpress\/?attachment_id=1056\" rel=\"attachment wp-att-1056\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1056\" src=\"http:\/\/www.joerg-neidig.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/VY8A1836-847x1024.jpg\" alt=\"Picture (c) by J\u00f6rg Neidig. All rights reserved\" width=\"474\" height=\"573\" srcset=\"https:\/\/www.joerg-neidig.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/VY8A1836-847x1024.jpg 847w, https:\/\/www.joerg-neidig.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/VY8A1836-248x300.jpg 248w, https:\/\/www.joerg-neidig.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/VY8A1836-768x929.jpg 768w, https:\/\/www.joerg-neidig.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/VY8A1836-588x711.jpg 588w, https:\/\/www.joerg-neidig.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/VY8A1836.jpg 1745w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1056\" class=\"wp-caption-text\">Picture (c) by J\u00f6rg Neidig. All rights reserved<\/figcaption><\/figure>\n<p>Insgesamt muss man sagen: &#8222;Alle Achtung, Studiosus, das mit den &#8218;Begegnungen mit Land und Leute&#8216; nehmt ihr wirklich ernst&#8220;. Ich wei\u00df gar nicht wie ich als selbstorganisierende Privatperson an solche Begegnungen und Gespr\u00e4che gekommen w\u00e4re. Klar, irgendwie ist immer alles m\u00f6glich. Aber die hautnahe\u00a0Begegnung mit den Massai, die Besuche von Krankenhaus und Waisenhaus und selbst das Bummeln \u00fcber M\u00e4rkte und D\u00f6rfer, w\u00e4re bei weitem anders verlaufen, wenn nicht immer ein erfahrener Guide dabei gewesen w\u00e4re, der die aktuelle Situation gut einsch\u00e4tzen konnte. Mehrfach haben wir mitbekommen (und h\u00e4ufig genug vermutlich auch nicht), wie Sonja eine an sich ungem\u00fctliche Situation mit Anwohnern, Polizei oder Zollbeamten durch die richtige Portion Charme, Witz und &#8222;Beruhigungsgeld&#8220;\u00a0entsch\u00e4rfte. Alleine w\u00e4re ich sicherlich mehrfach bestohlen, abgezockt, bedroht worden oder h\u00e4tte einfach mehr als die H\u00e4lfte des Urlaubs mit Organisieren und Improvisieren verbracht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.2. &#8211; 22.2.2016 Die n\u00e4chste Station des Urlaubs waren die Usambaraberge und je n\u00e4her wir unserem Ziel kamen, desto angenehmer wurde des Klima. Wir entflohen der Hitze, der Schw\u00fcle und\u00a0dem Trubel von St\u00e4dten und begaben uns in eine gr\u00fcne, l\u00e4ndliche Gegend,\u00a0die Kornkammer von Tansania. 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