Kōya-san – heilig aber kalt

Von dem Ort Kōya-san hatte ich schon öfter mal was gelesen, aber es bislang nicht geschafft in eine Reiseplanung aufzunehmen. Aber jetzt gab es keine Ausreden mehr und 3 Tage / 2 Nächte sollten ausreichend Zeit geben, die Atmosphäre des Orts aufzusaugen.

Das Gebiet wurde im Jahre 816 von dem buddhistischen Mönch Kūkai erschlossen, der dort eine der ältesten und wichtigsten buddhistischen Schulrichtungen Japans gründete. Ich weiß zu wenig vom Buddhismus, um hier fachkundig zu berichten. Unstrittig ist aber, dass Kōya-san eines der wichtigsten religiösen Zentren Japans ist und sowohl in der Geschichte als auch im heutigen gelebten Glauben eine wichtige Rolle spielte.

Den Empfehlungen verschiedener Reiseblogs nach, habe ich mich gegen eine Übernachtung im klassisches Hotel und für einen Tempelaufenthalt entschieden. Die Anfahrt war schon das erste Abenteuer. Von Kyoto aus, nimmt man den Zug nach Osaka, dann Umsteigen in einen Bummelzug, dann Umsteigen in den nächsten Bummelzug, dann Umsteigen in den dritten Bummelzug, dann Umsteigen in eine Bergseilbahn und dann Umsteigen in einen Bus und dann ist man endlich da. Der Tempel wurde bezüglich Komfort in den Guides als Mittelklasse eingegliedert und auf den ersten Blick sieht das alles schon sehr vielversprechend aus. Die Tempelanlage ist gepflegt und die Gebäude ursprünglich und urig. Mein Zimmer ist groß und klassisch japanisch eingerichtet, mit Tatami-Matten auf dem Boden, Futon (auf dem Boden liegende Matratze), Kotatsu (tiefer Tisch mit beheizbarer Tischplatte) usw. Da in dem traditionellen Gebäude aus Holz und Papier alles ein wenig zugig ist, hat man mir noch ein Heizöfchen reingestellt. Im Dorf wurden schon die Bürgersteige hochgeklappt, also richte ich mich im Zimmer ein und kurz nach 17:00 Uhr wird bereits zum Abendessen gerufen.

Das frühe Abendessen besteht aus veganer Kost, so wie sie die ansässigen Mönche und Priester zu sich nehmen: schmackhaft und mit Sicherheit sehr gesund. So langsam lass ich mich auf die Atmosphäre ein und genieße die abgelegene Ruhe. Mit den letzten Sonnenstrahlen verschwindet aber auch die Wärmequelle und das Gebäude aus Holz und Papier kühlt rapide ab. Ich husche schnell ins Gemeinschaftsbad, denn warmes Wasser gibt es nur zwischen 16:00 und 19:00 Uhr. Unter dem heißen Wasser ist alles gut, aber abtrocknen und umziehen im eisigen Raum eher nicht. Schnell ins Zimmer und Heizöfchen an. Ich kauere vor dem Öfchen und wende mich regelmäßig. Entweder friert der Rücken oder der Darm, man kann nicht beides haben. Da ich so einen Elektroofen nicht die ganze Nacht durchlaufen lassen will, schalte ich ihn aus, mummel mich in die dicke Decke auf meinem Futon ein und gehe früh schlafen.

Der Wecker klingelt um 5:30 morgens, rechtzeitig für das Morgengebet. Zum Glück ist der Ofen mit einem Thermometer ausgestattet. Dadurch kann ich vom Futon aus ablesen, dass es im Zimmer 5°C sind. Fuck. Zitternd und schlotternd betreibe ich etwas Katzenwäsche am eiskalten Wasserhahn und dann schnell warm anziehen. Nach kurzer Überlegung ziehe ich zwei Pullis übereinander und die dicke Winterjacke an, bevor ich zum Tempelraum gehe. Gute Entscheidung, denn im Tempelraum ist es gefühlt noch kälter. Das Morgengebet dauert etwa eine Stunde und obwohl ich nichts verstehe, haben die von den Priestern gesungenen Sutras meditativen Charakter und die Atmosphäre ist schön. Nach dem Gebet geht es direkt zum Frühstück, leider wieder sehr asketisch. Ein richtig heißer Kaffee wäre jetzt schön gewesen.

Sutra on the Perfection of wisdom (www.youtube.com/@Sentaijizo)

Für den Tag hatte ich mehrere Führungen durch den Ort gebucht. Die Details sind uninteressant, aber der Ort hat geschichtlich so einiges zu bieten. Am eindrucksvollsten ist das Allerheiligste, der Ort an dem der Mönch Kūkai verstarb. Der dortige Tempel liegt mitten in einem alten Zedernwald und ist umgeben von einem riesigen Friedhof. Alles was in Japan Rang und Namen hat, will hier sein Grab haben. Von Shogunen und Kaisern über Samurais und Kriegsfürsten bis hin zu modernen Millionären und Firmen, alles ist hier anzutreffen. Man geht u.a. vorbei an den Gedenkstätten von Toshiba, Mitsubishi und anderen bekannten Namen. Dem Glaube nach wartet Kukai im Zustand der ewigen Meditation auf die Erscheinung des kommenden Buddha und jeder Gläubige möchte zum Zeitpunkt der Erscheinung diesem so nahe wie möglich sein.

Die Besichtigung des Friedhofs und des Mausoleums sind auch bei Nacht möglich und gerade dann ist die ganz besondere Atmosphäre des Ortes nochmal stärker zu spüren. Zusammen mit meinem Guide laufen wir durch die die von Laternen gesäumten Wege. Am Anfang erklärt er noch die ein oder andere Besonderheit, aber schließlich genießen wir einfach die stille Atmosphäre und lassen die Gedanken schweifen. Vor dem Mausoleum stimmt er dann ein Mantra an. Erst ein wenig verschämt, dann kräftiger siengt er auswendig die klangvollen Silben in die Stille und für mich ist das der perfekte Abschluss eines eindrucksvollen Tags.

Happy, aber durchgefroren bis auf die Knochen komme ich im eiskalten Tempel in meinem eiskalten Zimmer an. Kurz Ofen an, dann ins Bett, das nächste Morgengebet in eisiger Kälte wartet. Den nächsten Morgen wappne ich mich zitternd mit noch mehr Kleidungsschichten. Vor der Abfahrt nehme ich noch an einer Feuerzeremonie teil (Wünsche auf Holzstücke schreiben und dann verbrennen) und nehme dann meinen Abschied von diesem besonderen Ort.

Ob Kōya-san eine Reise wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Die schöneren Tempel und Gärten gibt es definitiv an anderen Orten, die Anreise ist beschwerlich und man muss sich auf den religiösen Aspekt einlassen. Aber wenn man dafür offen ist, kann man eine andere Seite Japans kennenlernen, jenseits der ausgetretenen Touristenpfade. Aber bitte, bitte, folgt meinem Rat und macht die Reise nur zu einer warmen Jahreszeit.

Kirschblüte oder Ahornblatt

Das Fest der Kirschblüte wird in Japan Hanami genannt und rund um den Globus ist bekannt, dass dies das Fest ist, das man in Japan erlebt haben muss. Das Problem ist, dass die Kirschblüte – je nach Wetterlage – nur eine knappe Woche hält und welche Woche das ist, wird dank Klimawandel immer schwieriger vorauszusehen. Es kann also geschehen, dass man zu absoluten Spitzenpreisen Flug und Hotel bucht, nur um dann doch nur vor verblühten Bäumen zu stehen. Die wenigsten haben den Luxus, so einen Urlaub spontan buchen zu können.

Was viel weniger Menschen wissen, ist dass die Saison der Herbstlaubfärbung – „Kōyō“ oder „Momiji“ genannt – mindestens genauso schön ist und erheblich länger andauert und damit besser zu planen ist. Auch zu dieser Saison fangen Hotels und Flug ca. 6 Monate vor Start der Saison an die Preise anzuziehen. Es heißt also früh buchen. Und wann ist genau die Saison? Genauso wie die Kirschblüte ist dieses Ereignis den Japanern so wichtig, dass dies vom Wetterdienst genauestens ausgewertet wird. Auf der Seite https://s.n-kishou.co.jp/w/sp/koyo/koyo_top z.B. kann man auf einer Karte genau verfolgen wie der Status der Verfärbung im gesamten Land ist.

Und ist Herbstlaub denn nun wirklich so schön wie die Kirschblüte? Am besten macht man sich davon ein eigenes Bild.

Ganz nah dran und doch irgendwie ganz fern

Auch in Kyoto war ich nun schon ein paar Mal und habe auch scon den ein oder anderen Blick auf eine Geisha (oder Geiko, wie sie hier eigentlich genannt werden) erhaschen können. Immer nur kurz für ein paar Sekunden, wenn sie schnell über die Gasse huschen, um von einem Termin zum nächsten zu eilen. Diese Situation werden auch immer seltener, denn seitdem einige Touristen die Geikos überfallartig belagert, festgehalten und am Weitergehen gehindert haben, ist die Stimmung gereizt. In den Geisha-Vierteln herrscht erhöhte Polizeipräsenz und Kameraüberwachung und wer beim unerlaubten Fotografieren erwischt wird, muss mit drakonischen Strafen rechnen.

A Meiko during traditional dance

Was also tun? Ganz einfach: selbst eine Vorführung buchen. In den Zeiten von Internet ist eine entsprechende Veranstaltung schnell gefunden. Es stellt nachher heraus, dass die Vorgehensweise im Hintergrund Recht kompliziert ist, aber das braucht einen als Besucher ja nicht zu stören. Die Tourleiterin erklärte, dass sie selbst keine Heiko buchen kann, obwohl sie schon Dutzende solcher Veranstaltungen geleitet hat. Auch ihr Chef, der Leiter der Touristenunternehmens kann das nicht. Aber ihr Chef kennt eine Dame, eine Inhaberin einer traditionellen Fächermanufaktur, die Beziehungen zu einer Hausmutter von Meikos hat (so werden hier die sehr jungen Geishas genannt) und so eine Vorführung organisieren kann.

„Unsere“ Meiko war 18 Jahre alt und hat uns eine sensationelle Stunde Unterhaltung bereitet. Ab dem ersten Moment hat sie Eleganz, Wärme und Freundlichkeit ausgestrahlt und dafür gesorgt, dass die Zeit wie im Flug vergangen ist. Natürlich gehört dazu auch der traditionelle Tanz dazu, der zwar irgendwie nett anzuschauen ist, mir sich aber nicht so richtig erschließt. Sie hat geduldig und häufig mit einem Lachen unsere Fragen beantwortet und bei einem traditionellen Spiel waren wir komplett chancenlos. (Nur weil sie uns unterhalten will, muss sie uns anscheinend nicht gewinnen lassen.)

Alles in allem ein super kurzweiliger Abend und eine ganz neue Erfahrung. Hab ich jetzt die Faszination hinter den Geishas verstanden? Vielleicht ein bisschen, aber so ganz dann eben doch nicht.

Meiko-san and me

Auf der Jagd nach Fuji-san

Der Berg Fuji strahlt von jeher eine seltsame Faszination auf Japaner und Besucher aus. Vielleicht liegt es an der fast vollkommen symmetrischen Form, die den Vulkan so unverwechselbar macht. Auch aus der Popkultur ist er nicht mehr wegzudenken.

Ich würde jetzt gerne erzählen, dass ich einzigartige und von Touristen unberührte Spots gefunden hätte. Irgendwas Originelles und Besonderes. Kann ich aber nicht, weil ich mich komplett dem Fuji-Fieber hingegeben habe. In einer Tagestour haben wir die berühmtesten Fotospots abgeklappert und wild drauflos geknipst. Am Anfang war ich noch etwas peinlich berührt, an einer berühmten Fotostelle ausgekippt zu werden, mit der Anweisung „schnell, schnell, Foto, Foto“, um dann das Milliardste Bild vom Berg aus genau derselben Einstellung zu machen wie schon Millionen Besucher vor mir. Aber das gab sich bald. Man gerät in einer richtiges Fieber, angesteckt von den ganzen anderen Verrückten, die gar nicht erst versuchen, originell zu sein. Es geht eher darum, die bekannten Fotos nachzuahmen und sich zu freuen, genau an dem Ort zu stehen, an dem ein Stück Popkultur entstanden ist. Und wenn dann irgendwann mal in einem Gespräch aufkommen sollte, dass der meist fotografierte Supermarket der Welt einen tollen Blick auf den Berg Fuji liefert, dann kann man lächelnd das Foto herausziehen und sagen:“ Been there, done that.“

Studenten zeigen ihr Tokyo

Dies ist ein Erfahrungsbericht zur Firma BeBro https://www.bebro-japan.com/, die ich jedem Besucher von Tokyo nur ans Herz legen kann. Die Firma wurde erst vor ein paar Monaten von einem 22-jährigen Wirtschaftsstudenten gegründet, mit dem Ziel, Studenten als Guides an Touristen zu vermitteln. Das Ganze ist nicht kostenlos, sondern erlaubt den Studenten ein paar Groschen nebenher zu verdienen. Die Preise sind aber absolut angemessen.

Der Start der Firma ist etwas holprig, die Webseite für die Buchung ist noch sehr wackelig und bei der Tour passiert der ein oder andere Anfängerfehler. (Student will z.B. stolz seinen Lieblingsort zeigen, aber wir stehen dann vor verschlossener Tür oder wir kommen wegen fehlender Reservierung nicht in das versprochene Restaurant rein.) Aber im Grund genommen ist es genau der etwas unprofessionelle Charakter, der mir sehr gefallen hat. Es sind eben begeisterte, junge Menschen, die Lust darauf haben, Besuchern ihr ganz persönliches Tokyo zu zeigen und professionelle, lizenzierte Guides gibt es ja schon genügend.

Fall leaf season in Tokyo. Picture (C) by Joerg Neidig. All rights reserved

Ziel des ersten Abends war das Nachtleben von Tokyo und typisches japanisches Essen zu erleben. Nach einem Abstecher in eine berühmte Allee mit Gingko-Bäumen, um die Herbstlaubfärbung zu erleben, ging es dann durch verschiedene verwinkelte Gassen mit Läden und Kneipen. Fern des Touristenmagnets „Golden Gai“ wurden die Gassen immer kleiner und verwinkelter und die Kneipen immer winziger bis wir schließlich unser Ziel erreichten. Es gibt sie also immer noch, die Spots, die ein Tourist ohne Ortskundige nicht finden kann. Vor Ort bestellte der Student dann munter Gerichte von der japanischen Karte (keine englische Karte, keine englischsprachige Bedienung), die ich nie bestellt hätte, selbst wenn ich die Karte hätte lesen können (selbst Google Translate scheitert gerne mal bei Speisekarten, insbesondere wenn sie handgeschrieben sind). Gegrillte Hähncheninnereien, Pferde-Sashimi mit Zwiebeln und marinierte Haifischflossen waren nur Teil des Überraschungspakets.

Ziel des zweiten Tags war ein entspannter Bummel durch Tokyos Viertel jenseits der großen Sehenswürdigkeiten. Wir starteten gemütlich mit einem japanischen Garten, der nicht auf den üblichen Top-5-Listen steht. Er war zwar gut besucht, aber man merkte deutlich, dass hier die lokalen Japaner am heutigen Feiertag die Nachmittagssonne genießen wollten. Überraschend viele haben sich dafür in traditioneller Kleidung schick gemacht.

Local visitors of a Japanese Garden in Tokyo

Weiter ging es durch Viertel vollgestopft mit kleinen Handwerkerlädchen, Kaffees und Geschäftchen für Second-Hand-Mode. Hier hätte ich echt Tage beim Wühlen und Entdecken verbringen können. Auch eine alte Einkaufspassage darf natürlich nicht fehlen. Der krönende Abschluss war dann das Abendessen. Unser studentischer Guide kam auf die Idee, uns in einen Laden zu führen, der sich auf Gerichte am Tischgrill spezialisiert hat. Und damit meine ich nicht das teure Teppanyaki, bei der ein ausgebildeter Koch auf einer heißen Platte tolle Gerichte zaubert. Nein, ich meine kleine Tische mit eingelassenen Grill und bestellen kann man nur rohe Zutaten. Den Rest, also das eigentliche Grillen bzw. Braten, muss man selber machen. Super lustig, super uhrig und ich selbst hätte nicht so ohne weiteres herausgefunden, wie das funktioniert.

Little streets in Tokyo at night. Picture (C) by Joerg Neidig. All rights reserved.

Am Ende des Tages hat sich das Ganze nicht angefühlt wie eine Tour, sondern wie ein netter Tag mit Freunden. Sensationell. Alles in allem kann ich aufgrund dieser Erfahrung BeBroJapan jedem empfehlen, der Tokyo mal anders erleben will.

Cook your own food

Endlich zurück in Japan

Zehn Jahre ist mein letzter Besuch schon her und da war ein weiterer Urlaub in das Land der aufgehenden Sonne mehr als überfällig. Lange vorbereitet wuchs meine Vorfreude Tag für Tag und als ich endlich im Flieger saß, könnte ich es kaum glauben, dass es gleich soweit sein würde. Und als Fuji-san aus dem Fenster zu sehen war, fing ich innerlich an zu jubeln. (Das kann aber auch daran liegen, dass die Flugbegleiterin mich ganz ordentlich abgefüllt hat. „Ein Gläschen Sake zur Vorbereitung? Na kommen Sie, ein Gläschen Port kommt doch jetzt bestimmt ganz gut.“).

Fuji-san from above

Details zur Fahrt kommen später, aber mein erster Eindruck war, dass sich viel geändert hat und doch viel gleich geblieben ist. Wenn ich es mit meinem ersten Besuch in Japan vor fast 20 Jahren vergleiche, ist es mittlerweile deutlich weniger abenteuerlich und nervenaufreibend. Damals war ich häufig der einzige westliche Tourist weit und breit. Heute tummeln sich Scharen von Western in den Hotspots und am Nachbartisch in der Kneipe wird schonmal Deutsch gesprochen. Freut mich natürlich, dass auch andere nun in der Genuss kommen, dieses tolle Land kennenzulernen. Damals waren englische Sprachkenntnisse bei Japanern nicht existent, englische Schilder – Fehlanzeige, englische Speisekarte – keine Chance. Google Maps, GetYourGuide, Reservierung per Web, all das gab es nicht oder nur rudimentär.

Viele klagen natürlich über die Touristenflut, aber Japan ist nicht mal in den Top 10 der Touristenziele (Statistik 2024) und Tokyo ist nicht annähernd so besucht wie Rom oder Paris. Vielleicht ist es der Kontrast und die Steigerung zu den Vorjahren, die hier so auffallen. Und dennoch ist sich Japan in vielem treu geblieben und viele Japaner sind auch stolz darauf, ihre Kultur mit den Besuchern teilen zu können. Also am alle, die hier noch hin wollen: Nicht abschrecken lassen und einfach hinfahren.

Marketing und Wirklichkeit

Manchmal ist der Unterschied zwischen den Versprechen des Marketing und der Realität mehr als groß. So ist das auch in Okinawa. Bis jetzt habe ich nichts gesehen was irgendwie attraktiv war oder einen Besuch gerechtfertigt hätte. Hinzukommt, dass das Wetter so grauenhaft schwül und heiß ist (32 Grad Celsius bei 90% Luftfeuchtigkeit) und man es praktisch nicht im Freien aushalten kann.

Dass bei Fotos die Perspektive wichtig ist, sieht man schön an folgendem Beispiel: Bild a zeigt einen Strand aus dem Prospekt, Bild b zeigt den selben Strand aus der Sicht des Besuchers.

Abbildung des Strands von Naha aus dem offiziellen Flyer von Okinawa (http://visit-okinawa.com/)
Abbildung des Strands von Naha aus dem offiziellen Flyer von Okinawa (http://visit-okinawa.com/)

Naminoue Beach auf Okinawa.  (c) by Jörg Neidig. All rights reserved.
Naminoue Beach auf Okinawa. (c) by Jörg Neidig. All rights reserved.

Abschied von Hiroshima

Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved.
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Mein letzter Tag in Hiroshima geht relaxed zu Ende. Ich habe noch einen japanischen Garten (Shukkeien) besucht, ein wenig im Stadtpark entspannt und durch die Einkaufspassagen gebummelt. (Und weil’s so lecker war, gab’s zum Abendessen noch eine Portion Okonomiyaki.

Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved.
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Highlight des Tages: Entspanntes Picknick im Park bei Sonnenschein und strahlend blauem Himmel.

Hiroshima ist schön

Nach dem Depri-Schock war das nächste Ziel eine der schönsten Ecken Japans. Direkt vor Hiroshima liegt die Insel Miyajima, die mit der Fähre in nur 10 Minuten zu erreichen ist. Auf der Insel – oder besser kurz davor – liegt eines der meistfotografierten Szenerien Japans: Ein Tempeltor, das im Wasser steht.

Die Insel, das Tor und der dazugehörige Tempel sind wirklich schön und mann merkt direkt wie der Ballast von einem abfällt. Zum Gipfel des Berges der Insel gibt es einen Wanderpfad, der sehr idyllisch und unsagbar anstrengend ist. Beim Aufstieg lief der Schweiß in Strömen, dafür ging der Abstieg schneller.

Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved.
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Highlight des Tages: Die Küche Hiroshimas ist vor allem für zwei Dinge bekannt: Austern und Okonomiyaki, eine Art herzhafter Pfannkuchen (Googeln!). Beides habe ich zur genüge genossen. Sehr sehr lecker.

Bin jetzt noch fix und fertig

Gestern bin ich nach Hiroshima gereist und kam so gegen halb zwei im Hotel an. Aufs Zimmer konnte ich so früh noch nicht, also bin ich gleich auf Besichtigungstour gegangen. „Jörg“, hab ich mir gedacht, „Jörg, schau dir doch gleich mal die Highlights an. Die sind ja gleich um die Ecke.“ Also bin ich zum Friedensmuseum und dem Friedenspark gestiefelt.

Was soll ich sagen. Nach dem Museum war ich emotional fix und fertig. Anhand von vielen Originalexponaten und der Beschreibung von Einzelschicksalen (vor allem von Kindern, da gerade an dem Morgen viele Schulklassen im Stadtzentrum waren) wird das Grauen dokumentiert. Geschmolzene Steine, verbrannte Kleidung und Bilder, die mir nie mehr aus dem Kopf gehen werden.

Am Friedenspark ist dann die Ruine eines der wenigen Gebäude zu sehen, von dem wenigstens noch ein paar Mauern stehen blieben. Davor zu stehen macht das Ganze noch einmal realer, erfahrbarer.

Ich war an dem Abend dann zu nichts anderem fähig als ins Hotel und früh ins Bett zu gehen.



Kyoto ist Japan

Der kurze Abstecher nach Kyōto ist nun auch schon fast rum. Und was soll ich sagen: Kyōto ist Japan. Es gibt wohl keinen Ort in dem man die traditionelle Seele Japan intensiver erleben kann als hier.
Einiges, dass ich schon kannte, habe ich noch einmal besichtigt. Einiges habe ich zum ersten mal gesehen. Und vieles habe ich auch diesmal auslassen müssen. Es sieht also danach aus, dass ich wohl noch einmal herkommen muss.
Der Monat Mai ist jedoch definitiv der falsche Zeitpunkt für einen Besuch. Als ich das letzte mal Ende November nach Kyōto kam, war alles in dramatische Gold- und Rottöne getaucht. Jetzt ist alles einfach nur grün. Das ist nicht schlimm, aber eben auch nicht sonderlich spannend. Japanische Gärten sind halt einfach so gestaltet, dass sie entweder zur Kirschblüte oder zur Herbstlaubzeit am schönsten aussehen.

Highlight des Tages: Besuch des internationalen Manga-Museums.

Tokyo Disneyland

Am letzten Tag in Tokyo stand der Besuch von Tokyo Disney auf dem Programm. Da wir nur den einen Tag Zeit hatten, konnten wir nur einen der beiden Parks besuchen und entschieden uns für Disneyland.

Das Wetter war zwar eher durchwachsen mit kurzen Regenfällen, aber dafür war es nicht so überfüllt. Die Wartezeiten pro Attraktion waren selten länger als 20min. Für mich überraschend war, dass einige Attraktionen vom Namen identisch mit den amerikanischen Originalen waren, aber dann doch ganz anders aufgebaut waren. Meine dreijährige Nichte erfreute sich eher an den klassischen Karussellen. Pinocchio oder die Jungle Cruise versetzten sie in Angst und Schrecken. Ich fand auf jeden Fall, dass die Disney-Magie wieder zu spüren war und ich werde sicherlich wieder hinfahren.

Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved.
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Highlight des Tages: Meine Nichte summt freudestrahlend „It’s a small World“ nach.

Kamakura zum dritten

Eigentlich wollten wir einen Tagesausflug nach Hakone unternehmen, aber ein Vulkan machte uns einen Strich durch die Rechnung. Der interessanteste Teil des Wegs führt nämlich über einen mäßig aktiven Vulkan, der ein paar Schwefeldämpfe absondert. Vor wenigen Tagen hat der Schwefelausstoß aber so zugenommen, dass der entsprechende Bereich gesperrt werden musste.

Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved
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Kurzfristig entschieden wir uns stattdessen nach Kamakura zu fahren. Da war ich zwar schon zweimal, aber ein paar Sachen hatte ich auch noch nicht gesehen. Trotz allen Widrigkeiten war es ein super Ausflug bei strahlendem Sonnenschein.

Highlight des Tages: Wir haben an einer Teezeremonie teilgenommen, die freudestrahlend von Grundschülern durchgeführt wurde.

Einkaufswahn

Gestern drehte sich alles um den puren Konsumrausch. Wir sind im edlen Viertel Ginza die Straßen auf- und abflaniert und haben so manchen Schein über den Tresen geschoben. Für mich ist es eine der Top-Adressen, um mich wieder mit coolen T-Shirts einzudecken.
Abends ging es nach Shibuya, wo wir uns mutig in die Menschenmassen gestürzt haben.

Highlight des Tages: In Ginza haben wir einen Mann gesehen, der in einem Einkaufswagen seine 6-8 Katzen spazieren gefahren hat.