Sie haben mir ins Essen gequatscht

In Indien sind die Angestellten in Hotels und Restaurants sehr sehr sehr zuvorkommend. Also ich meine wirklich sehr. Am Anfang fand ich das noch ganz putzig, aber nach einer Weile ging mir das ganz schön auf den Zeiger. Einerseits ist es ja wirklich nett, wenn sich die Angestellten praktisch darum streiten, wer jetzt den Koffer tragen darf. Es ist auch eigentlich positiv, wenn man im Restaurant um das Wohl des Kunden besorgt ist und nachfragt, ob denn alles recht sei. Aber gestern beim Frühstück ist mir echt der Kragen geplatzt.

Da sitzt man also beim Frühstück und will einfach nur in Ruhe sein Müsli löffeln. Ich genieße gerne die ruhige Zeit, um langsam in Fahrt zu kommen und um im Kopf den Plan für den Tag durchzugehen. Aber das hat man mir nicht gegönnt. Im Abstand von weniger als einer Minute kamen tatsächlich 5 Bedienstete an, um mir ins Essen zu quatschen.
– Der erste möchte von mir unbedingt wissen, warum ich keinen Orangensaft trinke.
– Der nächste fragt, ob er mir ein Omlett machen kann.
– Darf es noch etwas Kaffee sein? Nein, denn meine Tasse ist noch randvoll.
– Der vierte möchte mitteilen, dass es auch frische Früchte gebe. Nein, vielen Dank.
– Wollen Sie immer noch keinen Saft. NEIN!

Und als ich dann kurz vor dem Ausflippen war, kommt der Restaurantchef in Anzug und Krawatte an meinen Tisch. Er reicht mir die Hand und möchte sich mir vorstellen. Er sei der Chef hier und sein Name sei soundso und ob auch alles zu meiner Zufriedenheit wäre und dass ich mich jederzeit an ihn wenden könne und warum ich keinen Orangensaft trinken würde, der sei doch ganz frisch.

Ich bin dann ohne Müsli zurück aufs Zimmer gegangen und habe leise hin mich hineingeweint.

Jeden Tag was Neues

Neulich musste ich in Indien eine Erfahrung machen, die vermutlich schon Millionen Reisende vor mir machen mussten. Ich befinde mich auf dem stillen Örtchen und suche verzweifelt und erfolglos nach der Papierrolle. Das ist immer eine unschöne Situation. Nach einer Weile fällt mir auf, dass es gar keinen Rollenhalter gibt. Stattdessen befindet sich rechts neben mir ein Wasserhahn. Als dann langsam die Erkenntnis in mir reift, denke ich mir: „Das wird jetzt interessant.“

Zài jiàn China, namasté Indien

Tschüs China, hallo Indien. Die Arbeiten in China sind abgeschlossen und leider ist mein Aufenthalt dort viel zu schnell vorbei. Die Kollegen waren wirklich sehr nett und hilfsbereit und auch wenn ich kaum etwas von China gesehen habe, habe ich mich dort immer sehr wohl gefühlt. (Bis auf das Wetter. Das war echt gruselig.)
Heute um zwei Uhr nachts bin ich dann in Indien angekommen. Der Flug war nochmal stressig. Der erste Flieger ist verspätet gestartet. Das hat bei dem eng gestrikten Zeitplan dazu geführt, dass er erst gelandet ist als das Boarding des Anschlussflugs bereits losging. Glücklicherweise hat mich eine Fluggastbetreuerin direkt am Ausgang abgeholt und ist mit mir durch den Flughafen gerannt, um den Flieger noch zu erwischen. Vollkommen außer Atem bin ich dann den Weiterflug nach Mumbai angetreten.

Nur mein Gepäck nicht.

Tja, mein Koffer mit meinem gesamten Kram ist wohl noch in Hongkong, vielleicht aber auch irgendwo anders in der Welt. Wer weiß. Darum gehe ich jetzt erst einmal Einkaufen, denn ohne Klamotten zum Wechseln und Zahnbürste macht das keinen Spaß. Dummerweise sind auch eine Menge dienstliche Sachen in dem Koffer, die ich eigentlich dringend für die nächsten Tage brauche. Da muss ich wohl umdisponieren. (Zum Glück habe ich den Laptop als Handgepäck dabei gehabt.)

China im Schnelldurchgang

Platt.

So beschreibt sich mein Zustand gerade am besten. Ich sitze gerade in Peking im Hotel und versuche etwas Luft zu schnappen. So richtig verdauen werde ich die Tage wohl erst später. Wie ging es bislang?
Sonntag um zehn Uhr morgens in den Flieger und am Montag um sieben Uhr früh Ortszeit in Shanghai ankommen (+ 6 Stunden Zeitverschiebung). Um neun Uhr früh der erste Termin in der Siemens-Niederlassung, danach 2 Kundenbesuche, die bis 19:00 Uhr dauern. Um 20 Uhr bin ich im Hotel und habe über 30 Stunden lang nicht geschlafen. Um 3:00 Uhr morgens liege ich wach im Bett und kann nicht schlafen. Ist aber prima, denn dann kann ich vor dem nächsten Kundentermin die ersten Berichte schreiben. Dann kommt eine ätzende Zugfahrt nach Hangzhou, zwei weitere Kundentermine, um 21:00 Uhr der Flug nach Peking, Ankunft im Pekinger Hotel um 1:00 Nachts und ich schlafe wie ein Stein… … bis etwa 5:00 morgens. Ich bin hellwach und aufgedreht. Prima, E-Mails checken, Unterlagen sortieren, den nächsten Termin vorbereiten, Bericht schreiben und los gehts…

Die Kollegen in China geben sich übrigens richtig Mühe. Ich bin sehr froh die Kollegen hier getroffen zu haben und zu sehen, wieviel Energie die investieren, um Projekte an Land zu ziehen. Fachlich hat sich die Reise schon jetzt bezahlt gemacht (denke zumindest ich). In meinem Kopf kristallisiert sich bereits ein relativ klares Bild heraus was der chinesische Markt braucht. Und das ist so gar nicht das was ich vor ein paar Tagen für notwendig gehalten habe.

Dem ersten Nepp bin ich wohl auch schon zum Opfer gefallen. Direkt bei der ersten Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel hat mich der Taxifahrer wohl ziemlich ausgenommen (das haben mir die Kollegen zumindest gesagt). Naja, zumindest hat er mir eine Quittung gegeben.

Dienstreise nach Asien steht an

Demnächst verschlägt es mich für ein paar Wochen dienstlich nach China und Indien. Ein Haufen Impfungen im Arm habe ich schon, die Visas sind unterwegs, nur der Koffer muss noch gepackt werden.

Die Organisation der Dienstreise war ganz witzig. Ich habe nur die Hin- und Rückflüge gebucht, den Rest übernehmen die Regionalgesellschaften. Die haben jetzt die Daten meiner AMEX-Karte und buchen lustig Hotels und Inlandsflüge. Ich bin mal gespannt wie vollgepackt die Agenda letztendlich werden wird. Das ganze wird mit Sicherheit stressig werden, aber ich freue mich trotzdem wie Bolle.

Foto von Jurgen, „Bush Taxi“, Some rights reserved.