Über Stock und über Stein zum Nashorn

5.1.20 Entebbe – Murchison Falls Nationalpark

Autofahren.

Den ganzen Tag Autofahren.

In einem alten Geländewagen auf unterirdisch schlechten, aber dennoch stark befahrenen Straßen

Einziger Lichtblick war der mittägliche Halt in einem Nashorn-Schutzgehege. Diese rein private Eineichtung versucht mit Hilfe von Spendengeldern und wenigen aus Kenia importierten Tieren, die in Uganda ausgestorbenen Breitmaulnashörner wieder heimisch zu machen. Schade, dass der Staat Uganda es nicht für notwendig hält so etwas in die eigene Hand zu nehmen und der Umweltschutz auf Privatinitiativen angewiesen ist. Aber Respekt: Aus ursprünglich 6 importierten Tieren sind mittlerweile 30 geworden und ab einer Menge von 50 wollen sie die ersten Tiere auswildern. Dies ist eine tolle Initiative und ich habe einen Riesenrespek vor dieser Leistung.

Bei der kompetenten Führung in Kleingruppen kommt man erstaunlich nah an die Tiere ran. Am besten funktioniert das unter der heißen Mittagssonne, wenn die Biester so richtig träge und müde im Dickicht oder dem Schatten eines Baumes liegen. Für mich war das eine ganz besonders beeindruckende Erfahrung. Um die Position der Dickhäuter nicht an Wilderer zu verraten, muss man übrigens die GPS-Funktion an Mobiltelefon und Kamera ausschalten. Das macht tatsächlich mal Sinn.

Nach diesem tollen Stop geht die Autofahrt weiter. Vollkommen mürbe kommen wir im Dunkeln in unserer Lodge in der Nähe der Murchison Falls an. Doll ist es hier nicht, aber wir sind müde und müssen am nächsten Morgen bereits wieder zeitig aufstehen. Unser erster „Game Drive“ steht an.

Uganda, ich komme

Uganda als Urlaubsziel wäre mir jetzt nicht so direkt eingefallen. Doch eines Abends rief mein Freund Burkhard an und meinte, er hätte ein tolles Urlaubsangebot gefunden, weil in Uganda gäbe es Gorillas. Naja, was soll ich sagen: ich fahre nach jetzt nach Uganda.

3.1.20 Frankfurt, (Vor-)Anreise

Praktisch als Vorspiel zum Urlaub in Uganda musste ich heute schon nach Frankfurt fahren. Der Flug startet zwar erst am 4.1., aber dafür bereits um 7 Uhr morgens. Wenn man dann zwei Stunden vorher einchecken soll und noch 2,5 Stunden Zugfahrt von Nürnberg zum Frankfurter Flughafen rechnen muss, dann scheint eine Übernachtung in einem Airport- Hotel plötzlich attraktiv. Die Zugfahrt war recht unspektakulär. Wie üblich war der Zug überfüllt und die Gäste standen in den Gängen. Im Frankfurt Hbf ging es dann nicht weiter, weil die Bahn es nicht hinbekam den Fahrplan in die Lok zu laden. Auf der letzten Strecke zum Hotel habe ich mir dann den Hintern abgefroren, da ich aus Gründen des leichten Gepäcks weder Winterjacke noch Pullover dabei hatte.

4.1.20 Frankfurt – Kibele – Entebbe

Der Wecker klingelte um 4 Uhr früh. Mehr muss man über den Tag eigentlich nicht wissen.

Nach dem kurzen Hüpfer nach Brüssel, musste ich feststellen, dass die Transferzeit recht knapp bemessen war. Es reichte gerade noch so zum Kauf eines hochprozenigem Getränks ( wichtig, der Gesundheit wegen). In der Schlange vor dem Boarding traf ich meine Mitreisenden. Viel Austauschen konnten wir uns aber nicht, da wir quer über das Flugzeug verteilt saßen. Erstes Highlight: ein Upgrade nach Premium Economy.
Was der Reiseveranstalter aber nicht für notwendig gehalten hat uns mitzuteilen, war, dass es sich nicht um einen Non-Stop-Flug handelte. Keine Ahnung, ob wir umsteigen müssten oder was das bedeutet. Unsere Befürchtung: Wenn wir das Flugzeug wechseln müssten, wäre es um den gerade erworbenen Schnapps geschehen. Zum Glück konnten wir beim Aufenthalt in Kigali einfach im Flieger sitzen bleiben und es ging nach kurzer Pausen weiter nach Entebbe. Zweites Highlight: ein Upgrade in die Business Klasse.

Die Einreiseformalitäten nahmen über eine Stunde in Anspruch und alle Reisende waren sichtbar genervt. Letztendlich waren wir erst gegen ein Uhr nachts im Hotel und durften noch eine längliche Erklärung der Hausmutter zum Ablauf des Frühstücks über uns ergehen zu lassen. Das im Programm angekündigte Willkommensgetränk war eine Flasche Bier. Dafür durften wir am nächsten Tag auch bereits um halb sieben aufstehen.

Geeking in Star Wars: Galaxy’s Edge in Disneyland Anaheim

Endlich, endlich hat Star Wars: Galaxy’s Edge in Disneyland Anaheim geöffnet. Ich habe den von mir lang herbeigesehnten Urlaub dort mit dem Besuch der D23 Expo kombiniert, des größten, zweijährlichen Disney-Fan-Events. Und wie soll ich es sagen? Galaxy’s Edge hat mich weggeblasen. Noch nie zuvor habe ich eine so immersive künstliche Welt gesehen und erlebt. Wahnsinn.

Very happy to be Standing in front of the Millennium Falcon™ in Batuu in Disneyland (Anaheim, USA). Picture (c) by Jörg Neidig, all rights reserved.

Die Angestellten (Disney Cast members) sind angewiesen die gesamte Zeit über „in Charakter“ zu bleiben, d.h. die Illusion aufrechtzuhalten. Das führt übrigens dazu, dass lustige Star Wars T-Shirts hier nicht zu erwerben sind, weil das nicht in die stimmige Welt passen würde. Dafür muss man dann an andere Stellen in Disneyland gehen. Meine einzige kleine Kritik ist, dass die Geschichte zeitlich zwischen Episode 8 und 9 angesiedelt ist. Ich hätte es besser gefunden, die klassischen Charaktere Han Solo, Darth Vader etc. anzutreffen als Kylo Ren, Rey und co.

Impression from Batuu in Disneyland (Anaheim, USA). Picture (c) by Jörg Neidig, all rights reserved.

Blut, Gedärme und abgetrennte Gliedmaßen

Seit ein paar Tagen bin ich wieder zurück vom Urlaub und Highlight waren die Halloween Horror Nights in den Universal Studios in Florida. Sehr, sehr spaßig und gruselig zugleich. Das ist definitiv nichts für kleine Kinder und schwache Nerven und so manches mal, hab auch ich vor Schreck geschrienen wie ein kleines Mädchen.

Die Fotos sind eher nicht so prickelnd, da es ja dunkel war und mir außerdem ein paarmal fast die Kamera aus der Hand gefallen wäre. Denn immer, wenn man sich in Sicherheit fühlte, hat sich jemand von hinten angeschlichen und einen so richtig erschreckt. Die Fotos aus den Spukhäusern sind nicht während des Betriebs entstanden, sondern während einer Führung.

Halloween Horror Nights 2018, „Stranger Things“ house. Picture (c) Jörg Neidig. All rights reserved.

Halloween Horror Nights 2018, „Stranger Things“ house. Picture (c) Jörg Neidig. All rights reserved.

Halloween Horror Nights 2018, „Stranger things“ house. Picture (c) Jörg Neidig. All rights reserved.

Halloween Horror Nights 2018, Orlando Florida. Picture (c) Jörg Neidig. All rights reserved.

Halloween Horror Nights 2018, Orlando Florida. Picture (c) Jörg Neidig. All Rights reserved

Auf in den kalten Norden zum Zelten

(28.3.18) Und wieder stand ein langer Reisetag mit wenigen Boxenstops an. Es gab wenig Berichtenswertes zu sehen. Wüste, Wüste und noch mehr Wüste mit kurzen Stopps bei den Überresten einer alten Karawanserei und einer Festung Alexander des Großen. Da das Kaff des vorletzten Stopps des Tages zu klein für ein Restaurant o.ä. war, gab es ein leckeres Mittagessen bei einer Familie, die sich dadurch ein kleines Zubrot verdiente. Es gab Plov.

Am späten Nachmittag kamen wir dann in dem Jurtencamp an. Die Jurten waren echt, die Kasachen waren echt, die Kamele, auf denen wir geritten sind, wären echt, die traditionellen Volkslieder, die vorgesungen wurden, waren echt. Nur das Camp selbst war nicht echt. Das war für Touristen.

Buchara, 2. Tag (27.3.18)

Heute war ein schöner Tag. Es gab ein paar sehr interessante Dinge zu besichtigen, wir konnten nochmal so richtig die Atmosphäre der Stadt aufsaugen, endlich blauer Himmel und Sonnenschein, Nudelsuppe, Hammam und vieles mehr. Aber eins nach dem anderen.

Der Sommerpalast ist das klassische Ausflugsziel für Touristen, Einheimische und Schulklassen. Dementsprechend voll war es auch. Anfangs sind auch wir gar nicht zum Fotografieren gekommen, aber nicht wegen der Menschenmassen selbst, sondern weil die alle ein Foto mit uns machen wollten. Die drängelten und schuppsten und giggelten und jeder wollte ein Selfie mit den West-Touristen. Mal sehen auf wieviel Facebook-Seiten ich jetzt gelandet bin.

Danach ging es zu Fuß durch ein Wohnviertel und zu einer putzigen Medresse mit vier Türmen. Als dann eine Mitreisende aber zu einer Schneiderin wollte, um ihre Hose kürzen zu lassen, verdrückten Burkhard und ich uns lieber in ein Kaffee auf dem Hauptplatz. Die tolle Atmosphäre und das merkliche bessere Wetter entschädigte uns etwas für die recht einseitige Wunscherfüllung unserer Reiseleitung. Als wir dann etwas meckerten, führte uns der Reiseleiter (statt Freizeit) doch noch zu ein paar anderen Sehenswürdigkeiten, die allesamt wirklich interessiert und schön waren. Es wäre echt schade gewesen, wenn wir das verpasst hätten. So zum Beispiel könnten wir in einer Medresse alte Studenten-WGs sehen, also die Zimmer in denen die Studenten zu viert gelebt und gelernt haben.

Und dann haben wir uns in einem historischen Hammam mal so richtig durchwalken lassen. Alter Schwede, der Masseur hat echt jeden Wirbel in meinem Rücken knacken lassen.

Buchara, 1. Tag

Nachdem wir gestern von Buchara nur Hotel und Restaurant gesehen hatten, haben wir jetzt einen dichtgepackten Besichtigungstag hingelegt. Insgesamt war der Tag aber eher eine gemischte Erfahrung. Der Streifzug über den Basar war wieder ein Erlebnis, und Höhepunkt waren natürlich die historischen Stätten.

Aber nicht jede Moschee oder Medresse begeistert, denn so langsam machen sich wiederholende Elemente bemerkbar und eine gewisse Sättigung tritt auf. Die Zitadelle war von außen beeindruckend, aber von innen eher enttäuschend. Die Miri-Arab-Medresse und Moschee und Minarett Kalon waren absolut umwerfend. Ich hatte vor dem Urlaub nicht erwartet eine solche Pracht zu sehen zu bekommen.

Dass wir danach zu einem Teppichhändler, Kunstmaler und eine als Folklore-show verkappte Verkaufsveranstaltung geschleppt wurden war für mich der gefühlte Tiefpunkt der Reise. Dass wir bei der Show noch bei den Getränken abgezockt wurden, und dass einige Mitreisende der restlichen Gruppe mehrere Stunden durch Klamotten-Kaufaktionen gestohlen haben, hat nicht zur Verbesserung meiner Stimmung beigetragen.

Das gemeinsame Abendessen (allerdings ohne Guide, da dieser sich anscheinend wichtigeren Dingen zuwenden musste) mit dem Nationalgericht „Plov“ hat aber für vieles entschädigt.

On the road again

Gestartet haben wir den Tag mit einem tollen Frühstück, das meinem Vorsatz ab heute weniger zu essen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Nach etwa einer Stunde Fahrt ließ unser Guide den Bus halten, da er gesehen hatte, wie eine Familie in ihrem Hof in einem Tandoori Brot buk. Also nichts wie hin. Wie das letzte mal lief sogleich die gesamte Familie zusammen, führte uns durch ihr Haus, posierte für Fotos und schenkte uns zum Abschluss noch zwei ihrer frisch gebackenen Brote. Mittagessen gab es dann in einem Trucker-stop: definitiv ohne andere Touristen, leckerer Fisch, aber doch etwas zweifelhafte hygienische Verhältnisse.

Nach ca. 10 Stunden kamen wir mit durchgerüttelten Knochen in Bukhara ab. Außer dem Abendessen (das wieder hervorragend war) war aber nicht mehr viel drin. Eine Änderung war aber heute ersichtlich: wir haben – wie gewünscht – kleinere Portionen zu Essen bekommen, dafür haben wir erheblich mehr Alkohol getrunken. Sehr gute Entwicklung.

OK, jetzt verstehe ich was hier unter Gastfreundschaft verstanden wird

Ich muss erst einmal die ganzen Eindrücke von heute in meinem Kopf sortieren. Unsere Reisegruppe ist klein und 2 der insgesamt 6 Reisenden kenne ich ja schon, womit wir schon einmal die Hälfte der Gruppe stellen. Dies ermöglicht uns eine deutlich individuellere und spontaner Vorgehensweise als bei anderen Gruppenreisen.

Wir starteten unseren Tag in Taschkent langsam mit einem Besuch eines Kunstmuseum, einem Museum mit alten Schriften und einer Moschee in welcher gerade das Freitagsgebet begann. Alles war malerisch und könnte direkt einem Märchen aus 1001 Nacht entsprungen sein. Auf dem Platz vor der Moschee spielten Kinder und ließen bei strahlend blauem Himmel Drachen steigen. Bisher ist jeder Usbeke, den wir treffen, unglaublich freundlich, möchte wissen wo wir herkommen und lässt sich lachend gerne fotografieren.

Diese Freundlichkeit gipfelte dann am Vormittag in den bisherigen Urlaubshöhepunkt. Wir liefenvon der Moschee zu Fuß durch eine Wohnsiedlung, um zum Basar zu gelangen. Bei einem Privathaushalte Stand das Tor ein Spalt weit offen und man könnte einen Blick auf einen schönen Innenhof erhaschen. Auf die Frage hin, ob wir in den Hof rein fotografieren dürften, meinte unser Guidelines nur: warum nicht. Er klopfte an der Tür, fragte ob wir reinkommen dürfen und schwups würden wir von der ganzen Familie willkommen geheißen. Von der Großmutter bis zum Enkelkinder stellten sich alle vor und freuten sich riesig. Und schwups saßen wir in deren Wohnzimmer und bekamen Tee, frisch gebackenes Brot und vieles mehr auf einen reichlich gedeckten Tisch angeboten. Und wenn wir nicht nach der Tasse Tee aufgestanden wären, hätte uns die Großmutter Mittagessen gekocht. Unglaublich. Wenn bei mir plötzlich 6 Usbeken vor der Tür ständen, würde ich denen vermutlich kein Mittagessen kochen.

Der Basar war übrigens auch der Wahnsinn. Hier gab es alles an Lebensmitteln, Haushaltsutensilien, Kleidung, Musik-CDs usw. in einem wilden Gewusel aus festen Ständen und Menschen, die einfach am Wegesrand Zeug aus Tüten oder Körben verkauften. Mittag gab es mitten im Basar in einer Platz mit Garküchen wo wir uns durch das Angebot probierten. Von Schachlick über Schafsfett bis zu Nudeln mit Pferdefleisch. Landestypischer geht nicht.

Hallo Usbekistan

Hallo Usbekistan! Bislang habe ich nur den Flughafen von Tashkent und das Hotel gesehen, bin aber froh, dass die Anreise einigermaßen problemlos abgelaufen ist. Um 4:30 Aufstehen und dann in den vollkommen überfüllten ICE. Der ist natürlich verspätet und nur mit der Hälfte der Wagons unterwegs. Leicht genervt stelle ich fest, dass es durchaus zeitaufwändig ist vom Flughafen Fernbahnhof zum Terminal 2 zu kommen. Nach einer Sicherheitskontrolle aus der Hölle war nur noch Zeit eine Flasche Rum zu kaufen. Nur zum Desinfizieren natürlich.

Schlechter getroffen hatte es meine Mitreisenden Burkhard und Margarine, denn ihr Flieger aus Berlin hatte aufgrund von Eis und Schnee Verspätung. Während die beiden quer durch den Flughafen rannten, bequatscht ich die Leute der Airline am Gate. Als die beiden endlich eintrafen (Nach der Security aus der Hölle) hieß es dann, sie wären 2 Minuten zu spät, das Gate sei geschlossen. Dank rekordverdächtiger Überredungskünste schafften es dann doch noch alle in den Flieger.

Fast zumindest. Denn die Koffer der beiden blieben in Frankfurt. Und leider fliegt die Linie die Strecke nur 1-2 mal die Woche. Tja, schaun wir mal.

Nächster Halt: Peru

Die Reiseroute durch Peru. (c) Studiosus Reisen München GmbH
Die Reiseroute durch Peru. (c) Studiosus Reisen München GmbH

In Kürze geht es auf nach Peru.

Das ursprüngliche Reiseziel war eigentlich Äthiopien, um nach der Tansania-Reise nochmal ganz andere Eindrücke von Afrika zu bekommen. Da sich die politische Lage sich aber mehr und mehr angespannt hat, musste umdisponiert werden. Jetzt geht es also nach Südamerika. So richtig gut bin ich nicht auf die Reise vorbereitet und ich verlasse mich schon ziemlich darauf, dass das Studiosus das alles gut hinbekommt. Den Rest sehen wir dann.

Auf der Suche nach dem Usambara-Veilchen

21.2. – 22.2.2016

Die nächste Station des Urlaubs waren die Usambaraberge und je näher wir unserem Ziel kamen, desto angenehmer wurde des Klima. Wir entflohen der Hitze, der Schwüle und dem Trubel von Städten und begaben uns in eine grüne, ländliche Gegend, die Kornkammer von Tansania. Nicht nur die Gegend wurde immer ländlicher, sondern auch die Straßen wurden immer abenteuerlicher. Wir fuhren durch Feldwege und Gassen, die nur marginal breiter waren als unser Fahrzeug und als wir dachten, dass es wirklich nicht mehr weiter ging, kamen wir am Hotel an. Die Lage des Hotels konnte damit nicht besser sein und bot fantastische Ausblicke. Das Hotel selbst war aber weniger gut. Auch hier hatte Studiosus bereits vorgewarnt und diesmal waren die Warnungen auch angebracht. Die Zimmer waren ungemütlich, nicht gerade sauber, hatten teilweise defekte Lampen und Möbel, verstopfte Abflüsse und so weiter. Die Zimmer waren so trostlos, dass wir diese wirklich nur zum Schlafen betreten wollten und die freie Zeit in der Hotellobby verbrachten.

Nichtsdestotrotz waren die zwei Tage in den Usambarabergen wunderschön, wobei ich gar nicht explizit fassen kann, was uns hier so fasziniert hat. Irgendwie war es wohl das Gesamtpaket aus einer grünen, sprießenden Natur, dem frischen angenehmen Wetter, dass einen wirklich Aufatmen ließ, die freundliche Atmosphäre und dem entspannten Tagesprogramm. Nach den anstrengenden Tagen zuvor hatte ich das Gefühl mich richtig fallen lassen zu können. Das Ganze aber ohne dass es explizite „Erholungstage“ waren, denn die Tage waren angefüllt mit Programmpunkten und weiteren Begegnungen.

Wir machten geführte Wanderungen durch die Berge und das nahe gelegene Dorf, wir bummelten über den quirligen Markt von Lushoto, besuchten ein Waisenheim und machten eine Probe des tansanischen Weins. Die Wanderungen waren sicherlich ein Highlight aber insbesondere zu dem Waisenheim und dem Wein will ich noch ein paar Worte sagen. Im Vorfeld der Reise sowie an jedem Ort an dem wir fragten wurde uns von dem hiesigen Wein abgeraten. So vehement wurde betont, dass er untrinkbar sei, dass sich bei uns so etwas wie eine mystische Stimmung einstellte. Wer weiß, vielleicht gab es den Wein gar nicht (so wie es Bielefeld gar nicht gibt). Schließlich gelang es uns auf Maries Geburtstag und bei der Weinprobe tatsächlich Exemplare zweier tansanischer Meisterwerke zu probieren. Zugegeben, sie waren wirklich nicht gut.

Der Besuch des Waisenhauses war anfangs ähnlich seltsam wie der Besuch der Krankenstation. Da kommen jetzt ein Haufen Weißer daher und machen Fotos von süßen schwarzen Babys. Und weil mir so unwohl bei der Sache war, versuchte ich der Leiterin des Waisenhaus ein Gespräch zu entlocken, um mich über Hintergründe interessiert zu zeigen. aber die Leiterin war ein harter Brocken und meinte nur: „Now show and taking pictures, talk later.“ Damit war die Sache dann klar geregelt. Die Leiterin sorgte erst für ein Fotomotiv nach dem anderen und zeigte uns dabei auch die verschiedenen neuen Einrichtungen des Hauses, danach gab bei Kaffee und Keksen die Hintergründe. Die Hintergründe waren beeindruckend und bedrückend zugleich. Beeindruckend waren die Leistungen der Einrichtung, die hier aus dem Nichts gestampft wurden und wie alles unternommen wird, um Schritt für Schritt unabhängig von Spendengeldern zu werden. Und bedrückend war es, weil sie dennoch erschreckend hilflos sind. (So zumindest war mein Empfinden.) Die Station versteht sich „nur“ als eine Erstauffangsstation, die ausgesetzten Säuglingen ein Überleben sichert. Allerspätestens zwei Jahren muss das Kleinkind aber die Station verlassen und in Pflegefamilien übergeben werden, da sonst die Kapazitäten nicht ausreichen würden.

Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved
Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved

Insgesamt muss man sagen: „Alle Achtung, Studiosus, das mit den ‚Begegnungen mit Land und Leute‘ nehmt ihr wirklich ernst“. Ich weiß gar nicht wie ich als selbstorganisierende Privatperson an solche Begegnungen und Gespräche gekommen wäre. Klar, irgendwie ist immer alles möglich. Aber die hautnahe Begegnung mit den Massai, die Besuche von Krankenhaus und Waisenhaus und selbst das Bummeln über Märkte und Dörfer, wäre bei weitem anders verlaufen, wenn nicht immer ein erfahrener Guide dabei gewesen wäre, der die aktuelle Situation gut einschätzen konnte. Mehrfach haben wir mitbekommen (und häufig genug vermutlich auch nicht), wie Sonja eine an sich ungemütliche Situation mit Anwohnern, Polizei oder Zollbeamten durch die richtige Portion Charme, Witz und „Beruhigungsgeld“ entschärfte. Alleine wäre ich sicherlich mehrfach bestohlen, abgezockt, bedroht worden oder hätte einfach mehr als die Hälfte des Urlaubs mit Organisieren und Improvisieren verbracht.

 

 

Auf der Fahrt gen Osten

20.2. – 21.2.2016

Weiterhin standen die Tage nun unter dem Motto „Begegnungen mit Land und Leute“. Objektiv gesehen standen die Tage manchmal eher unter dem Motto „Kilometer reißen auf den Straßen zur Ostküste“. Ein Zwischenstopp zur Übernachtung legten wir auf einer Kaffeeplantage ein. Die Führung rund um die Plantage war eher so mittel-interessant. Nur der Guide – der stellvertretende Anführer des Stammes &#*!@§ (unaussprechlicher Kehllaut) – war wirklich ein Unikat. Im Endeffekt hat er wenig über die Plantage und die Pflanzen erzählt, sondern eine Anekdote nach der anderen über die Kultur seines Stammes losgelassen. Das war wirklich eine gelungene Mischung aus Unterhaltung und Information! Nachdem uns der Guide z.B. erklärt hatte, dass die hiesige respektvolle Anrede von Frauen „Mama“ sei, war das fortan die Anrede für einige unserer Mitreisenden. Das Essen auf der Plantage war fantastisch, das Zimmer traumhaft, der Kaffee leider eher so lala. Schade, wenn er gut gewesen wäre, wäre das sicherlich ein schönes Mitbringsel geworden.

 

Zimmer auf einer Kaffeeplantage. (c) Jörg Neidig. All rights reserved.
Zimmer auf einer Kaffeeplantage. (c) Jörg Neidig. All rights reserved.

Danach ging es weiter Richtung Osten zum Fuße des Kilimandscharo in ein Bergsteigerhotel. In den Unterlagen von Studiosus wurden wir schon vorgewarnt, dass das Hotel sehr einfach sein und nicht den Ansprüchen eines westlichen Urlaubers entsprechen würde. Aber eigentlich gab es dort überhaupt nichts auszusetzen. Insbesondere die Lage war toll und erlaubte morgens bei Sonnenaufgang einen unverstellten Blick auf den Gipfel des Kilimandscharo. Um noch näher mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen, hatten wir die Chance eine Wanderung durch das nahegelegene Dorf und einem pittoreskem Wasserfall zu machen. Zwar sind wir auf der Wanderung auch in ein kleines Naturhistorisches Museum gegangen, interessanter waren aber die eher zufälligen (?) Begegnungen. So zum Beispiel saß eine Frau vor Ihrer Hütte beim Kochen eine Eintopfs und sie erklärte uns freudig, was und wie sie koche. Einige jungen Leute ließen uns bereitwillig von ihrem selbstgebrautem Bananenbier probieren. Zum Dank steckte ihnen unsere Guide Sonja einen kleinen Schein zu. Als wir um die Ecke gingen und noch deren Jubelschrei hörten, meinte Sonja nur: „Uups, war wohl etwas zu viel.“

Abends feierten wir noch feuchtfröhlich den Geburtstag von Sonja und Marie. Als es uns in der Bar zu ungemütlich wurde, verlagerten wir die Feier in einem privateren Kreis (zu dritt) auf Maries Balkon. Das war echt ein schön entspannter Abend und auch im nachhinein kann ich nur betonen wie gut und wichtig es war auf der Gruppenfahrt Mitreisende gefunden zu haben, die auf der selben Wellenlänge lagen. Spät am Abend beschloss ich dann irgendwann doch noch mein eigenes Zimmer aufzusuchen, aber ich fand es nicht. Ordentlich angeheitert lief ich mehrmals durch das verwinkelte Hotel. Ich lief alle Gänge und Etagen ab aber ich fand mein Zimmer nicht. Irgendwann beschloss ich (immer noch sehr angeheitert) systematisch vorzugehen und alle Schritte von der Rezeption zum Zimmer zu wiederholen. Das funktionierte aber nicht, da ich immer wieder an verschlossenen Türen oder Gangenden landete. Irgendwann begann ich an mir zu verzweifeln und suchte die Nachtwache auf. Diese war wohl auch neu, denn sie wanderte mit mir auch nochmal alle Gänge und Ebenen ab und griff sich verwundert an den Kopf. Schlussendlich weckte die Wache den Portier auf, der dann das Rätsel auflöste: Abends wurde der gesamte Hotelflügel, in dem mein Zimmer lag, abgeschlossen. Seltsam.

Ebenfalls Teil der Begegnungen war ein Besuch eines Dorfkrankenhauses (Rhotia Health Center).

Schwester Agatha leitet das Rhotia Health Center in Tansania. Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved.
Schwester Agatha leitet das Rhotia Health Center in Tansania. Picture (c) by Jörg Neidig. All rights reserved.

Das Krankenhaus wurde in den sechziger Jahren (oder etwas später – hab ich nicht richtig verstanden) von Schweizer Ordensschwestern gegründet. Die Leitung des Krankenhauses obliegt noch immer einer der Schwestern, der mittlerweile über achtzig Jahre alten Schwester Agatha. Am Anfang kam es mir etwas merkwürdig vor, als Tourist mit der teuren Spiegelreflex vor der Brust und Safarikleidung von Jack Wolfskin am Leib durch die Räume zu tapern und Fotos von erbärmlichen Krankenzimmern zu machen. Aber Schwester Agatha war so herzlich und hat so offen und begeistert über das Erreichte, die Pläne für die Zukunft und Probleme geredet, dass sämtliche Berührungsängste verflogen. Kein Thema war tabu und es war schon erstaunlich zu hören, wie offen und gelassen die Schwester über Korruption bei Steuergeldern, Diebstahl von Laborgeräten und den Auswirkungen von Krankheiten wie AIDS und Malaria plauderte.

Massai und was nun

19.2.2016

Nach dem Themenschwerpunkt Tiere und Natur geht es um Begegnungen mit Land und Leute. Etwas Besonderes ist gleich unsere erste Begegnung: Der Besuch eines Massai-Dorfes. Es handelte sich dabei um kein Schaudorf, sondern ein echtes Dorf in dem die Krieger der Savanne tatsächlich leben. Gegen einen kleinen Obolus führten sie noch einen Tanz auf und beantworten Fragen. Laut deren Aussage können sie es sich durch das Geld leisten Wasser mit dem Tanklaster anliefern zu lassen.

Disclaimer: Ein kurzer Besuch und ein paar Gespräche geben keinen tiefen Einblick in die Kultur. Ich sehe und bewerte als Außenstehender nach anderen, rein subjektiven Maßstäben, geprägt durch meinen kulturellen Hintergrund.

Kurzfassung: Die Massai sind Dreckschweine, deren Kultur verschwinden und die niemand vermissen wird.

Langfassung: Die Begegnung war toll, weil es eben das echte Ding war und kein Kasperletheater für Touristen. Das Dorf hatte sich eben entschieden, diese Geldquelle anzuzapfen, aber ohne sich für die Touristen zu verbiegen. Die Begrüßung durch Tanz und Gesang war ganz witzig und war gut für Fotos. Ich durfte sogar mit den Kriegern um die Wette hüpfen. (Die Mitreisenden meinten ich hätte mich ganz gut geschlagen.)
Interessanter war aber die Möglichkeit Fragen zu stellen. Hier haben sich leider alle negativen Vorurteile bestätigt und bekräftigt. Frauen sind weniger Wert als Dreck. Sie werden natürlich beschnitten. Danach sind sie Allgemeingut für jeden dahergeschissenen Krieger. Feste Frauen haben nur die Dorfältesten oder der Chef. Der Chef in diesem Dorf hatte gleich 12 Frauen und 72 Kinder, womit praktisch alle Einwohner direkt miteinander verwandt waren. Kinder werden ab dem 4. Lebensjahr von der Mutter getrennt (der Vater ist eh meist unbekannt) und wachsen ab dann bis ca. 14 sich selbst überlassen in einer Kinderhütte auf. Erst ab der darauffolgenden Beschneidung werden sie als vollwertige Menschen angesehen, davor sind sie wertlose Lebewesen. Bei den Behausungen hat es uns die Sprache verschlagen: Ein paar Stöcke notdürftig zusammengebunden und mit Kuhscheiße bedeckt. Drinnen brannte ein Feuer, aber einen Rauchabzug gab es nicht. Die Massai hatten daher ausnahmslos blutunterlaufenen entzündete Augen. Ernährungstechnisch gibt es ausschließlich Milch, Rinderblut und Rindfleisch. Diese 3 Dinge jeden Tag und sonst überhaupt gar nichts. Und so könnte ich ewig weiter erzählen.

Leider scheinen sie unfähig zu sein, sich anzupassen und sich auf neue Bedingungen einzustellen. Stattdessen hängen sie in nicht reflektierter Tradition fest. Für Touristen (inklusive meiner selbst)ist es natürlich schön, beeindruckende Urlaubsfotos von ach so zurückgebliebenen Naturvölkern machen zu können. Naturgeschichtlich gesehen, sind es aber eher die Anpassungsfähigsten gewesen, die eine Zukunft hatten.

Leben und sterben lassen im Ngorongoro- Krater

Spitzmaulnashorn im Ngorogoro-Krater. (c) Jörg Neidig. All rights reserved.
Spitzmaulnashorn im Ngorongoro-Krater. (c) Jörg Neidig. All rights reserved.

19.2.16
Unser dritter und letzter Park war der Ngorongoro-Krater, ein erloschener Vulkan in dessen Kraterinnerem eine ganz besondere Tierwelt entstanden ist. Durch die natürliche Abschottung hat sich hier ein unvergleichliches Ökosystem gebildet und man kann hier sehr viele Tiere auf engstem Raum beobachten.
In der Nacht hatte es wolkenbruchartig geregnet und am Morgen regnete es weiter. Außerdem war so riesig, dass an Weitsicht nicht zu denken war. Der Tag stand unter keinem guten Stern. Zum Glück lichtete sich der Nebel langsam und der Regen ließ nach.

Wie in den letzten Tagen war dennoch auch hier jede einzelne Minute ein tolles Erlebnis. (Bis auf die halbe Stunde in der ich vor Pinkeldrang kaum aus den Augen schauen konnte.) Aber zwei Highlights stachen wirklich hervor.

Es gibt in Tansania nur noch 30 Nashörner und diese wurden aus Südafrika importiert, um sie im Krater neu anzusiedeln. Alle anderen sind den verfickten Wilderern zum Opfer gefallen. Vor kurzem wurde eine der größten Anführer eines Wildererrings gefasst. Es war eine Angestellte der chinesischen Botschaft.
Aber kaum hatten wir den Krater betreten sahen wir eine kleine Ansammlung von Fahrzeugen sowie einen Wagen der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft. Den Grund dafür sahen wir gleich: Am Straßenrand schlief ein Nashorn.
Wie viel Glück kann ein Mensch haben? So langsam mussten wir ja das Maximum erreicht haben. Als das Nashorn genug geschlafen hatte, stand es langsam auf und fing das Fressen an. Dabei präsentierte es sich uns in voller Schönheit im Profil. Einige Minuten später fing es aber an sich langsam von der Straße zu entfernen und ins Hinterland zu laufen. Die Touristen, die etwas später an diese Stelle kamen konnten nur noch einen entfernten Punkt am Horizont erahnen.
Übrigens hatten wir damit auf einer einzigen Safari die Big Five gesichtet.

Wie nahe Leben und Tod hier zusammenliegen konnten wir hautnah erleben. Zwei Wagen unserer Gruppe wurden aus nächster Nähe Zeuge wie eine Hyäne ein junges Gnu riss. Unser Wagen hingegen war bei der Geburt eines Kalbs dabei. (Was gruseliger zu sehen war, kann ich nicht beurteilen.) Unser Fahrer erkannte, dass bei einer Kuh die Wehen eingesetzt hatten. Kurz darauf ging es auch schon los. In mehreren Schüben – zwischen denen sie immer wieder die Position wechselte und herumlief – brachte sie komplikationslos ein Kalb zur Welt. Mit sachten Schubsern mit der Schnauze bewegte die Mutter die Mutter das kleine zum Aufstehen. Etwas wackelig schaffte es das wirklich innerhalb von 5 Minuten.