Den sonnigen Samstag nutzen, um mal aus der Stadt rauszukommen klang nach einem tollen Plan. Das Ziel: das japanische Open-Air-Museum mit einer Vielzahl historischer Gebäude gelegen in einem schönen Park. Doch bei unerbittlichen 30 Grad wurde das ganze zur schweißtreibenden Arbeit. Fluchend mühte ich mich ab, die unzähligen Treppenstufen des an einem Hang gelegenen Parks zu erklimmen. Und was gab es jeweils als Belohnung zu sehen? Ein altes Haus.
Nicht falsch verstehen, das Museum ist wirklich sehenswert, aber bereits nach der Hälfte der Ausstellungsstücke trat dann doch eine gewisse Ermüdung auf.
Edo-Tokyo-Museum

Als Guide hat sich diesmal ein Herr Inoue Seiichi angeboten, der leidenschaftlich über die Einzelheiten der Geschichte Tokyos berichtet hat. Freundlich, selbstlos und zuvorkommend: Das beschreibt ihn ganz gut, denn er macht es komplett als Ehrenamt (und Trinkgeld nimmt er natürlich auch keins). Zum Abschluss hat er noch ein nettes Foto von unserer Gruppe geschossen und auf seine Homepage gestellt (http://www.hobby-elec1.org/edo/).[
Lost in Roppongi
Roppongi ist eine Ecke in Tokyo, die für ihr Nachtleben bekannt ist. Hier reiht sich Bar an Bar und Nachtclub an Nachtclub. Was auf den ersten Blick sehr attraktiv klingt, entwickelte sich aber schnell zu einer eher unschönen Erfahrung.
Erstens wird Roppongi fast ausschließlich von Touristen besucht und zweitens fühlt es sich nicht wie Japan an, sondern eine Schmuddelecke in Las Vegas. Überall stehen nigerianische Türsteher, die einen hartnäckig in Clubs ziehen oder Nutten andrehen wollen. Chris (den ich im Hotel kennen gelernt habe) und ich waren schnell genervt. Da wir etwas zu früh für den Nachtclub dran waren, nahmen wir Reißaus und gingen in die deutsche Kneipe Bernds Bar und tranken erstmal ein Bitburger.
Der Nachtclub war eher unspektakulär, obwohl hochgelobt und empfohlen. Am interessantesten war noch, dass Tanzen verboten war. Dies ist ein altes Gesetz in Tokyo, dass eigentlich keine Anwendung mehr findet. Aber wenn die Polizei einen Laden dicht machen will, kramt sie dieses raus und führt unangekündigt Razzien durch.
Um ein Uhr nachts waren wir dann wieder im Hotel und am nächsten Morgen hatte ich Kopfschmerzen.
Keine Herbstfarben in Rikugi-en
Shoppen bis der Arzt kommt
Einkaufen und Museumsbesuche bieten sich natürlich geradezu an, wenn es mal wieder Bindfäden regnet. Und wo geht man in Tokyo einkaufen, wenn man auf dicke Hose machen möchte? Richtige Antwort: Ginza. Hier liegen Prada, Luis Vitton, Armani usw. Tür an Tür. Kaufen kann ich da zwar nichts, schauen darf man aber mal. Also von außen, denn die Türsteher schauen so grimmig und machen mir Angst.
Allerdings scheint auch hier die Wirtschaftskrise nicht unbemerkt vorbeizugehen, denn an der ein oder anderen Stelle waren ein paar Leerstände zu sehen. Vor ein paar Jahren wäre das sicherlich undenkbar gewesen. Ein weiteres Indiz dafür ist vielleicht, dass die Türsteher an einigen Geschäften mich mit weinerlicher Stimme gebeten haben, doch mal reinzuschauen. „Bitte kommen Sie doch kurz rein, nur ganz kurz, nur zum Schauen.“ (Das ist ja fast schon wie auf der Reeperbahn, nur vermutlich teurer…)
Aber es gibt hier auch wirklich sehenswerte Dinge: z. B. sagenhafte Kaufhäuser mit Lebensmittelabteilungen bei denen auch ein KaDeWe blass vor Neid wird und im Showroom von Sony darf man mit den neusten Geräten rumspielen. Ausserdem liegt hier mein Lieblingsladen für Spielzeug in dem ich jedesmal ein Vermögen lasse. Und weil ich gerade so in Kauflaune bin, habe ich auch schon ein paar Mitbringsel gekauft (siehe Foto). Über diesen Snack zum Knabbern wird sich bestimmt jemand freuen. 😊
Und es regnet

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Dass dann aber Anfang Oktober die Ausläufer der Taifun-Saison noch so deutlich spürbar sind, habe ich aus den Webseiten so nicht heraus gelesen. Also, ich bin ziemlich durchgefeuchtet und Fotos schiessen war auch noch nicht drin.
Netter Nebeneffekt: bislang wusste ich nicht, dass man hier fast überall kostenlos Regenschirme leihen kann. Praktisch. Man darf nur nicht der letzte sein, der zugreift, sonst ist eventuell nur noch ein kleiner rosa Damenschirm übrig.
Irasshaimase!
Müde, müde, müde. Oh man, der Jetlag hängt mir diesmal ziemlich in den Knochen und der Japanischkurs verlangt einem auch so einiges ab.
Den ersten Kurstag habe ich glatt verpasst, da die Schule Zeit und Ort geändert hat ohne mir Bescheid zu geben. Dafür waren sie aber so zerknirscht, dass sie mir dafür eine Privatlehrerin spendiert haben, die mit mir den Stoff nachgeholt hat. Jetzt nach dem zweiten Tag muss ich feststellen, dass die ein ordentliches Tempo vorgeben. Alter Schwede, den Stoff von mehreren Wochen VHS haken die in einer Stunde ab. Nach dem Unterricht bin ich nur kurz zurück uns Hotel, und hab mal kurz die Füße hochgelegt. Vier Stunden später bin ich aufgewacht und der Tag war vorbei… Grummel.
Ach ja, auf dem Flug hab ich eine Japanerin kennengelernt. Sie hat mir Angebote, einen Abend mit einer Geisha zu organisieren. Ich bin mir noch nicht ganz sicher was ich davon halten soll…
Erster Schultag

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Ich bin gestern gut, aber ein bisschen platt, angekommen. Ohne das es geplant war bin ich gestern dabei mitten in ein japanisches Fest zu Ehren von irgendjemandem reingeplatzt. Direkt vor dem Bahnhofstation Ikebukuru sammelten sich die Massen in traditioneller Kleidung und tragen kleine Altäre umher. Interessant, aber wichtiger war natürlich die erste Portion Ramen. Eine ordentliche Schüssel voll mit scharfer, tomatenlastiger Brühe, Nudeln, aufgeschnittenen butterzarten Schweinefleisch und ein halbweiches in Sojasoße mariniertes Ei. Hammer.
So, und heute um eins geht es zur Schule. Man darf gespannt sein.
Fotos von Japan online
Endlich habe ich es geschafft die Fotos vom Japanurlaub online zu stellen (-> Gallerie).
Und alles geht zu Ende
Alles geht einmal zu Ende, auch dieser Urlaub. Schön war es, aber jetzt ist auch gut. Geld ist ausgegeben, Souvenirs gekauft, alles gesehen und noch mehr gegessen. Dass man richtig urlaubssatt ist merkt man daran, dass man sich schon auf zu Hause freut und nicht wehmütig denkt, dass man ach so gerne länger geblieben wäre.
Der letzte Tag wurde ungewollt zu einem schönen“wrap up“. Eigentlich wollte ich in das Hara Museum of modern Art, aber das war überraschenderweise wegen Umbauten geschlossen. Eine nette Mitarbeiterin entschuldigte sich zwar sehr, hat mich aber trotzdem nicht herein gelassen. Also bin ich auf nach Roppongi in die Tokyo Midtown Mall, um ein wenig zu bummeln und das Sapporo Kunstmuseum zu besuchen. Interessanterweise lief dort gerade eine Ausstellung zum Tokaido, dem alten Pfad zwischen Tokyo und Kyoto. Teile des Pfads bin ich im Urlaub ja abgegangen und die Entstehungsgeschichte des Wegs wurde mir im Edo-Museum erläutert. Als ob es geplant gewesen wäre. Mit der Dämmerung wurde dann die Weihnachtsbeleuchtung angeschaltet, die mit 300000 LEDs aber wenig feierlich, sondern eher beeindruckend kitschig war. Japanisch halt.
Also dann bleibt mir nur noch übrig tschö und Sayonara zu sagen. Schön war’s und wird sicherlich nicht das letzte mal gewesen sein.
(Der Baum stammt übrigens aus dem Yebisu-Bier-Museum, aber das ist eine andere Geschichte.)
(Pictures (c) by Jörg Neidig. All rights reserved. Private and commercial use is forebidden.)
Den Berg Fuji besteigen
… ging leider nicht, aber das war auch von vorne herein bereits klar. Das wäre genauso, als ob ein Japaner nach München fährt und im Dezember mal eben so auf die Zugspitze laufen möchte. Geht halt net. Oder eben nur einmal.
Also schaut man sich den Berg lieber von unten an. Ist auch schön.
On-Matsuri in Nara
Die etwa 3-4 Stunden westlich von Tokyo liegende Stadt Nara ist eines der letzten Ziele des Urlaubs gewesen und die Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt. Kurze Geschichtsstunde: vor Tokyo und Kyoto war Nara Hauptstadt von Japan. Diesen Status hatte sie allerdings nur 75 Jahre lang. Als der Kaiser nämlich herausfand, dass seine Frau mit einem Priester rummachte, verlegte er kurzerhand erbost seinen Sitz nach Kyoto. Der Priester hat dafür bestimmt kein Lachgesicht in sein Aufgabenheftchen bekommen. Die Entscheidung des Kaisers erscheint mir aber eher unverständlich, denn in Kyoto gibt es ja noch mehr Priester…
Auf jeden Fall hat Nara aufgrund seiner Vergangenheit gewaltig was zu bieten und gleich 8 Stätte mit dem Status Weltkulturerbe können hier erlebt werden. Die Tempel und Schreine sind wirklich atemberaubend und umgeben von einer großen Parkanlage. In dem Park (und außerhalb) laufen über 1200 Rehe frei herum. Das bringt den Verkehr in der Stadt manchmal zum erliegen und Rehmist muss auch sehr häufig gekehrt werden, aber die Leute sehen die Tiere mittlerweile als Glücksbringer und Maskottchen an.
Das I-Tüpfelchen des Besuchs war allerdings, dass vom 15.-18. Dezember das Fest On-Matsuri stattfindet, eines der ältesten und höchsten religiösen Feste in Japan. Die Höhepunkte sind die Mitternachtszeremonie vom 16. auf den 17. und die festliche Parade am 17. zur Mittagszeit. Als Europäer muss ich leider sagen, dass die Mitternachtszeremonie zwar dadurch imponiert, dass sie 1200 Jahre alt ist, aber nicht durch eine besonders imposante Darbietung. Ich habe einfach zu wenig Ahnung von den hiesigen Religionen, um auch nur ansatzweise verstehen zu können, was da passiert. Gepaart mit einer Schweinekälte wurde die Veranstaltung dann irgendwann nervenaufreibend. Vermutlich geht es einem Buddhisten in einer Ostermette ähnlich. Immerhin: „Been there, done that, got the t-shirt“. Am nächsten Tag gab es dann einen wirklich sehenswerten Umzug in historischen Kostümen. Und wie könnte es auf einem Volksfest anders sein, laden jede Menge Fressbuden zum Geldausgeben ein. Was ich dann auch getan habe. Reisbällchen mit Bohmenmus, Teigbällchen mit Oktopus, Fischplätzchen was will man mehr. Interessanterweise gab es hier auch Unmengen an Ständen, die Spielzeuggewehre an Kinder verkauft haben. An mehreren habe ich sogar das G3 und das G36 entdeckt.
Alles in allem war das ein richtig gelungener Ausflug. Aber von Tempeln habe ich jetzt erst einmal genug.
Auf den Pfaden der alten Samurais


Alle Wege führen nach Tokyo. Naja, eigentlich ja nur 5. Diese fünf Hauptverkehrswege wurden vom ersten Shogun direkt bei der Gründung von Edo/Tokyo angelegt und stellen auch heute noch Hauptverkehrswege dar. Auch die japanischen Schnellzüge Shinkansen sind nach den Namen der alten Wege benannt. Der wohl wichtigste Weg verband Kyoto mit Tokyo und damit den Sitz des Kaisers mit dem Sitz des Shoguns. Das hier eine Menge Briefverkehr stattfand ist klar.
Und genau diese alte Straße ist teilweise noch begehbar. Heute konnte ich bei wunderschönen Wetter den Wanderweg zwischen Magome und Tsumago im Kiso-Tal genießen. Die beiden Städtchen haben sich ganz schön herausgeputzt und die Häuser in den Originalzustand zurück versetzt. Es war wie eine kleine Zeitreise. Naja, wenn man von den Unmengen an Souvenirläden absieht und dem Tatbestand, dass man mehrmals eine größere Landstraße queren muss.
Ein absoluter Höhepunkt liegt etwa auf halber Strecke. Hier liegt ein 250 Kahre altes Teehaus, dass müde Wanderer kostenlos mit Tee und Süßigkeiten versorgt. Super.
Mitten auf der Strecke hat mich dann ein gelbes Schild mit einem Bär irritiert. Gibt es hier wirklich Bären, oder wollen die den Touristen nur Angst einjagen? Wenige Meter weiter war mir aber klar, dass die das ernst meinen, denn in regelmäßigen Abständen waren Glocken angebracht mit denen Krach man die Bären verjagen soll. Also habe ich eifrig gebimmelt und habe keinen Bären gesehen.
Tsukiji-Fischmarkt
Ein Abstecher zum Fischmarkt gehört zu einem Besuch von Tokyo einfach dazu. Neben dem Tempel Senso-Ji gehört der Fischmarkt damit zu dem Ort mit der höchsten Touristendichte in Tokyo. Das sind in Summe immer noch nicht viel, es fällt einfach nur stärker auf, da man sonst tagelang herumlaufen kann, ohne einen weiteren „Gaijin“ zu sehen.
Die Fischauktion findet im Dezember leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da dieser Monat der umsatzstärkste des Jahres ist. Touristen würden da nur stören. Andererseits spart man sich dadurch das Aufstehen um 4:00 Uhr und die 100 Euro für das Taxi. (Öffentliche Verkehrsmittel starten erst so ab 5:30 Uhr.)
Auf dem Markt gab es natürlich wieder lecker Sushi. Mittlerweile von ich beim Bestellen etwas mutiger. Die Konsequenz davon ist allerdings, dass ich plötzlich Teile vom Fisch (?) auf dem Teller hatte, von denen vermutlich noch nicht einmal der Fisch wusste, dass er so was hat.
Direkt neben dem Fischmarkt liegt interessanterweise das Nobel-Einkaufsviertel Ginza. Tiffany und co. lässt man aber am Besten links liegen und besucht die großen Kaufhäuser wie z.B Mitsokoshi. Im Vergleich dazu sieht sogar das KaDeWe alt aus. In der legendären Lebensmittelabteilung konnte ich dann noch gleich ein paar nette Souvenirs einkaufen (getrockneter Fisch, Reiswürze und Reiscracker). Im Sony Showroom kann man dann noch gepflegt Produktneuheiten wie die PSVita oder 3D-Fernseher ausprobieren. Im Yamaha Showroom gibts u.a. wunderbare Flügel (auch elektrische) zu bewundern. Usw. Usw. Der Tag ist einfach zu kurz…
39. Japan Karate Cup
Wie angekündigt, hatte ich heute das Vergnügen, dem Karate-Wettkampf zusehen zu dürfen. Das war mal echt klasse.
Für viele Japaner hat Karate einen sehr hohen Stellenwert. Viele betreiben den Sport selber oder verfolgen ihn zumindest mit großer Begeistetung. Die großen erfolgreichem Vereine trainieren hier allerdings mit einer militärischen Härte, die seinesgleichen sucht. Der schwedische Trainer, der mich eingeladen hatte, sagte, dass ein Verein mehrere Jahre aussetzen musste, weil es beim Training zu zwei Todesfällen gekommen war.
Der Wettkampf hatte auf jeden Fall ein ganz hohes Niveau. Die Kämpfe waren spannend bis zuletzt. Ich hätte mir nur manchmal etwas mehr „Karate“ gewünscht. Die primäre Taktik bei den Kämpfen bestand nämlich nur daraus mit schnellen, harten Faustschlägen Punkte zu sammeln.
(Die eigentlichen Fotos gibts leider erst nach dem Urlaub.)


