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Dass dann aber Anfang Oktober die Ausläufer der Taifun-Saison noch so deutlich spürbar sind, habe ich aus den Webseiten so nicht heraus gelesen. Also, ich bin ziemlich durchgefeuchtet und Fotos schiessen war auch noch nicht drin.
Netter Nebeneffekt: bislang wusste ich nicht, dass man hier fast überall kostenlos Regenschirme leihen kann. Praktisch. Man darf nur nicht der letzte sein, der zugreift, sonst ist eventuell nur noch ein kleiner rosa Damenschirm übrig.
Irasshaimase!
Müde, müde, müde. Oh man, der Jetlag hängt mir diesmal ziemlich in den Knochen und der Japanischkurs verlangt einem auch so einiges ab.
Den ersten Kurstag habe ich glatt verpasst, da die Schule Zeit und Ort geändert hat ohne mir Bescheid zu geben. Dafür waren sie aber so zerknirscht, dass sie mir dafür eine Privatlehrerin spendiert haben, die mit mir den Stoff nachgeholt hat. Jetzt nach dem zweiten Tag muss ich feststellen, dass die ein ordentliches Tempo vorgeben. Alter Schwede, den Stoff von mehreren Wochen VHS haken die in einer Stunde ab. Nach dem Unterricht bin ich nur kurz zurück uns Hotel, und hab mal kurz die Füße hochgelegt. Vier Stunden später bin ich aufgewacht und der Tag war vorbei… Grummel.
Ach ja, auf dem Flug hab ich eine Japanerin kennengelernt. Sie hat mir Angebote, einen Abend mit einer Geisha zu organisieren. Ich bin mir noch nicht ganz sicher was ich davon halten soll…
Erster Schultag

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Ich bin gestern gut, aber ein bisschen platt, angekommen. Ohne das es geplant war bin ich gestern dabei mitten in ein japanisches Fest zu Ehren von irgendjemandem reingeplatzt. Direkt vor dem Bahnhofstation Ikebukuru sammelten sich die Massen in traditioneller Kleidung und tragen kleine Altäre umher. Interessant, aber wichtiger war natürlich die erste Portion Ramen. Eine ordentliche Schüssel voll mit scharfer, tomatenlastiger Brühe, Nudeln, aufgeschnittenen butterzarten Schweinefleisch und ein halbweiches in Sojasoße mariniertes Ei. Hammer.
So, und heute um eins geht es zur Schule. Man darf gespannt sein.
Omelett mal anders
In Japan gibt es eine Kunst, bei der Mahlzeiten besonders künstlerisch oder interessant angeordnet werden. Normalerweise finde ich das relativ eklig, aber auf der Seite http://www.wtfjapanseriously.com (übrigens sehr empfehlenswert) habe ich etwas wirklich Süßes gefunden. Na wenn das mal nicht Appetit macht.

Fotos von Japan online
Endlich habe ich es geschafft die Fotos vom Japanurlaub online zu stellen (-> Gallerie).
Und alles geht zu Ende
Alles geht einmal zu Ende, auch dieser Urlaub. Schön war es, aber jetzt ist auch gut. Geld ist ausgegeben, Souvenirs gekauft, alles gesehen und noch mehr gegessen. Dass man richtig urlaubssatt ist merkt man daran, dass man sich schon auf zu Hause freut und nicht wehmütig denkt, dass man ach so gerne länger geblieben wäre.
Der letzte Tag wurde ungewollt zu einem schönen“wrap up“. Eigentlich wollte ich in das Hara Museum of modern Art, aber das war überraschenderweise wegen Umbauten geschlossen. Eine nette Mitarbeiterin entschuldigte sich zwar sehr, hat mich aber trotzdem nicht herein gelassen. Also bin ich auf nach Roppongi in die Tokyo Midtown Mall, um ein wenig zu bummeln und das Sapporo Kunstmuseum zu besuchen. Interessanterweise lief dort gerade eine Ausstellung zum Tokaido, dem alten Pfad zwischen Tokyo und Kyoto. Teile des Pfads bin ich im Urlaub ja abgegangen und die Entstehungsgeschichte des Wegs wurde mir im Edo-Museum erläutert. Als ob es geplant gewesen wäre. Mit der Dämmerung wurde dann die Weihnachtsbeleuchtung angeschaltet, die mit 300000 LEDs aber wenig feierlich, sondern eher beeindruckend kitschig war. Japanisch halt.
Also dann bleibt mir nur noch übrig tschö und Sayonara zu sagen. Schön war’s und wird sicherlich nicht das letzte mal gewesen sein.
(Der Baum stammt übrigens aus dem Yebisu-Bier-Museum, aber das ist eine andere Geschichte.)
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Den Berg Fuji besteigen
… ging leider nicht, aber das war auch von vorne herein bereits klar. Das wäre genauso, als ob ein Japaner nach München fährt und im Dezember mal eben so auf die Zugspitze laufen möchte. Geht halt net. Oder eben nur einmal.
Also schaut man sich den Berg lieber von unten an. Ist auch schön.
On-Matsuri in Nara
Die etwa 3-4 Stunden westlich von Tokyo liegende Stadt Nara ist eines der letzten Ziele des Urlaubs gewesen und die Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt. Kurze Geschichtsstunde: vor Tokyo und Kyoto war Nara Hauptstadt von Japan. Diesen Status hatte sie allerdings nur 75 Jahre lang. Als der Kaiser nämlich herausfand, dass seine Frau mit einem Priester rummachte, verlegte er kurzerhand erbost seinen Sitz nach Kyoto. Der Priester hat dafür bestimmt kein Lachgesicht in sein Aufgabenheftchen bekommen. Die Entscheidung des Kaisers erscheint mir aber eher unverständlich, denn in Kyoto gibt es ja noch mehr Priester…
Auf jeden Fall hat Nara aufgrund seiner Vergangenheit gewaltig was zu bieten und gleich 8 Stätte mit dem Status Weltkulturerbe können hier erlebt werden. Die Tempel und Schreine sind wirklich atemberaubend und umgeben von einer großen Parkanlage. In dem Park (und außerhalb) laufen über 1200 Rehe frei herum. Das bringt den Verkehr in der Stadt manchmal zum erliegen und Rehmist muss auch sehr häufig gekehrt werden, aber die Leute sehen die Tiere mittlerweile als Glücksbringer und Maskottchen an.
Das I-Tüpfelchen des Besuchs war allerdings, dass vom 15.-18. Dezember das Fest On-Matsuri stattfindet, eines der ältesten und höchsten religiösen Feste in Japan. Die Höhepunkte sind die Mitternachtszeremonie vom 16. auf den 17. und die festliche Parade am 17. zur Mittagszeit. Als Europäer muss ich leider sagen, dass die Mitternachtszeremonie zwar dadurch imponiert, dass sie 1200 Jahre alt ist, aber nicht durch eine besonders imposante Darbietung. Ich habe einfach zu wenig Ahnung von den hiesigen Religionen, um auch nur ansatzweise verstehen zu können, was da passiert. Gepaart mit einer Schweinekälte wurde die Veranstaltung dann irgendwann nervenaufreibend. Vermutlich geht es einem Buddhisten in einer Ostermette ähnlich. Immerhin: „Been there, done that, got the t-shirt“. Am nächsten Tag gab es dann einen wirklich sehenswerten Umzug in historischen Kostümen. Und wie könnte es auf einem Volksfest anders sein, laden jede Menge Fressbuden zum Geldausgeben ein. Was ich dann auch getan habe. Reisbällchen mit Bohmenmus, Teigbällchen mit Oktopus, Fischplätzchen was will man mehr. Interessanterweise gab es hier auch Unmengen an Ständen, die Spielzeuggewehre an Kinder verkauft haben. An mehreren habe ich sogar das G3 und das G36 entdeckt.
Alles in allem war das ein richtig gelungener Ausflug. Aber von Tempeln habe ich jetzt erst einmal genug.
Auf den Pfaden der alten Samurais


Alle Wege führen nach Tokyo. Naja, eigentlich ja nur 5. Diese fünf Hauptverkehrswege wurden vom ersten Shogun direkt bei der Gründung von Edo/Tokyo angelegt und stellen auch heute noch Hauptverkehrswege dar. Auch die japanischen Schnellzüge Shinkansen sind nach den Namen der alten Wege benannt. Der wohl wichtigste Weg verband Kyoto mit Tokyo und damit den Sitz des Kaisers mit dem Sitz des Shoguns. Das hier eine Menge Briefverkehr stattfand ist klar.
Und genau diese alte Straße ist teilweise noch begehbar. Heute konnte ich bei wunderschönen Wetter den Wanderweg zwischen Magome und Tsumago im Kiso-Tal genießen. Die beiden Städtchen haben sich ganz schön herausgeputzt und die Häuser in den Originalzustand zurück versetzt. Es war wie eine kleine Zeitreise. Naja, wenn man von den Unmengen an Souvenirläden absieht und dem Tatbestand, dass man mehrmals eine größere Landstraße queren muss.
Ein absoluter Höhepunkt liegt etwa auf halber Strecke. Hier liegt ein 250 Kahre altes Teehaus, dass müde Wanderer kostenlos mit Tee und Süßigkeiten versorgt. Super.
Mitten auf der Strecke hat mich dann ein gelbes Schild mit einem Bär irritiert. Gibt es hier wirklich Bären, oder wollen die den Touristen nur Angst einjagen? Wenige Meter weiter war mir aber klar, dass die das ernst meinen, denn in regelmäßigen Abständen waren Glocken angebracht mit denen Krach man die Bären verjagen soll. Also habe ich eifrig gebimmelt und habe keinen Bären gesehen.
Tsukiji-Fischmarkt
Ein Abstecher zum Fischmarkt gehört zu einem Besuch von Tokyo einfach dazu. Neben dem Tempel Senso-Ji gehört der Fischmarkt damit zu dem Ort mit der höchsten Touristendichte in Tokyo. Das sind in Summe immer noch nicht viel, es fällt einfach nur stärker auf, da man sonst tagelang herumlaufen kann, ohne einen weiteren „Gaijin“ zu sehen.
Die Fischauktion findet im Dezember leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da dieser Monat der umsatzstärkste des Jahres ist. Touristen würden da nur stören. Andererseits spart man sich dadurch das Aufstehen um 4:00 Uhr und die 100 Euro für das Taxi. (Öffentliche Verkehrsmittel starten erst so ab 5:30 Uhr.)
Auf dem Markt gab es natürlich wieder lecker Sushi. Mittlerweile von ich beim Bestellen etwas mutiger. Die Konsequenz davon ist allerdings, dass ich plötzlich Teile vom Fisch (?) auf dem Teller hatte, von denen vermutlich noch nicht einmal der Fisch wusste, dass er so was hat.
Direkt neben dem Fischmarkt liegt interessanterweise das Nobel-Einkaufsviertel Ginza. Tiffany und co. lässt man aber am Besten links liegen und besucht die großen Kaufhäuser wie z.B Mitsokoshi. Im Vergleich dazu sieht sogar das KaDeWe alt aus. In der legendären Lebensmittelabteilung konnte ich dann noch gleich ein paar nette Souvenirs einkaufen (getrockneter Fisch, Reiswürze und Reiscracker). Im Sony Showroom kann man dann noch gepflegt Produktneuheiten wie die PSVita oder 3D-Fernseher ausprobieren. Im Yamaha Showroom gibts u.a. wunderbare Flügel (auch elektrische) zu bewundern. Usw. Usw. Der Tag ist einfach zu kurz…
39. Japan Karate Cup
Wie angekündigt, hatte ich heute das Vergnügen, dem Karate-Wettkampf zusehen zu dürfen. Das war mal echt klasse.
Für viele Japaner hat Karate einen sehr hohen Stellenwert. Viele betreiben den Sport selber oder verfolgen ihn zumindest mit großer Begeistetung. Die großen erfolgreichem Vereine trainieren hier allerdings mit einer militärischen Härte, die seinesgleichen sucht. Der schwedische Trainer, der mich eingeladen hatte, sagte, dass ein Verein mehrere Jahre aussetzen musste, weil es beim Training zu zwei Todesfällen gekommen war.
Der Wettkampf hatte auf jeden Fall ein ganz hohes Niveau. Die Kämpfe waren spannend bis zuletzt. Ich hätte mir nur manchmal etwas mehr „Karate“ gewünscht. Die primäre Taktik bei den Kämpfen bestand nämlich nur daraus mit schnellen, harten Faustschlägen Punkte zu sammeln.
(Die eigentlichen Fotos gibts leider erst nach dem Urlaub.)
Persönlicher Guide durchs Edo-Museum
Bei schlechtem Wetter (und natürlich auch bei gutem) bietet sich ein Besuch des Edo-Tokyo-Museums an. Für Ausländer gibt es keine normalen Führungen, sondern nur Freiwillige mit Fremsprachkenntnisse. Also bin ich zur Info und habe gefragt, ob eine Führung in englisch heute zur Verfügung stände. Ja, es sei noch ein Guide frei. Für mich. Das heißt, die nette Dame hat sich mich geschnappt und mir eine zweistündige Privatführung durch die Geschichte Tokyos gegeben. Saugeil.
Das Museum ist auf jeden Fall einen Besuch Wert. Nur bei der Abteilung zur neueren Geschichte musste ich doch ein wenig schmunzeln. Die unerfreulichen Ereignisse des letzten Jahrhunderts sind da doch recht einseitig und verklärt dargestellt. Da gibt es Schautafeln, die von ruhmreichen Angriffen auf den Feind berichten und andere, welche die Massaker an der japanischen Bevölkerung anprangern. Naja, was die geschichtliche Aufbereitung betrifft, sind wir da deutlich weiter.
Eiskalt auf Tempeltour in Nikko
Etwa zwei Stunden nördlich von Tokyo liegt der Ort Nikko inmitten einer bergigen Waldlandschaft. Weil die dortige Tempelanlage so atemberaubend schön ist, treten sich hier zur warmen Jahreszeit die Besucher gegenseitig auf den Füßen tun. Da aber die Wintersaison angefangen hat, sieht es in Nikko aus wie im Winter auf Rügen: kein Schwein da und alles ist zu.
Der riesige Vorteil war, dass ich die Tempel praktisch für mich alleine hatte und unbehelligt auf Entdeckungstour gehen konnte. Außerdem konnte ich kein Geld für Souvenirs und Nippes ausgeben. Allerdings war es wirklich richtig, richtig kalt und als es dann auch noch zu nieseln anfing, war der Spaß dann vorbei.
Prinzipiell fand ich die Tempelanlage an sich zwar schon beeindruckend, aber erst das Zusammenspiel mit der atemberaubenden Landschaft, den uralten Bäumen und bemoosten Hügeln macht es wirklich zu etwas besonderem. Ich wünschte nur das Wetter hätte es erlaubt zu fotografieren, aber dafür war es leider viel zu diesig. Anbei nur ein Schnappschuss von einer der wohl bekanntesten Holzschnitzerei überhaupt: den drei Affen. Hör nichts Böses, sieh nichts Böses, sag nichts Böses.

Karate in Tokyo
Heute morgen habe ich mich länger mit einem schwedischen Karatetrainer unterhalten, der hier regelmäßig auf Fortbildung ist. Er hat mir für das Wochenende gleich eine Freikarte für den 39sten Japan Cup Karatedo besorgt. Das wird bestimmt super.
In dem Gespräch hat er auch meinen Blick auf Japan bestätigt. Es ist ein tolles Land: alle Menschen sind zuvorkommend, höflich und freundlich. Es ist interessant und alles ist irgendwie anders. Aber man darf nicht versuchen (was wir als Europäer gerne machen), einzublenden, d.h. sich wie ein Japaner zu verhalten, um andrerseits auch nicht wie ein dummer Tourist behandelt zu werden. Das funktioniert nicht. Man wird hier immer ein Fremdkörper sein und als solcher behandelt werden. Der Trainer kennt Leute, die schon seit 15 Jajren in Japan leben, das Land immer noch lieben, die Sprache und die Kultur beherrschen, aber immer noch nicht wie Japaner behandelt werden.
Shinagawa und Yanaka
Am Mittwoch standen zwei Highlights an, die zeigen, wie kontrastreich Tokyo ist.
Shinagawa zeigt sich heute von seiner modernen Seite. In dem Büroviertel geht es zu wie in einem Ameisenhaufen und moderne Hochhäuser prägen das Bild. Unter anderem ist hier auch der Showtoom von Canon zu finden. Da habe ich doch gleich mal die 7D und die 1D Mark IV ausprobiert (man wird ja noch träumen dürfen). Auch ein Zoom-Objektiv mit 600er Brennweite kann man dort in den Händen halten. Bzw. auf dem Stativ, da es doch etwas schwerer ist. Im alten Shinagawa findet man dann aber kleine schnuckelige Straßen mit kleinen Straßenläden und -märkten. Hier ist es einfach, die perfekte Nudelsuppe zu finden.
In Yanaka ist alles noch ein Stück uhriger. Dieses Künstlerviertel ist praktisch unverändert durch die Jahre gegangen. Die Straßen wurden von den Anwohnern mit Pflanzen begrünt: einfach idyllisch. Es macht einfach Spaß durch die Gassen zu schlendern und hinter jeder Ecke etwas Neues zu entdecken.
